Riera spielt roulette: frankfurts undurchsichtiger coach verwirrt selbst stammgäste
Albert Riera ist seit sechs Wochen Chef der Eintracht, und keemand weiß, wer der Mann mit den eisernen Wangenknochen eigentlich ist. Die Defensive kassiert vier Gegentore, die Offensive tauscht wie wild Positionen, die Pressekonferenzen klingen wie ein Auswahltest für Oxford – und trotzdem fragt sich die Komplette Liga: Was will dieser Spanier eigentlich?
Der trainer, der mit haien blutet
Erinnern Sie sich an die erste Pressekonferenz? Riera sprach von „kopflosen Hühnern“ und „Blut riechenden Haien“, kassierte irritierte Lacher und ließ danach das Mikrofon fallen, als wäre die Show vorbei. Seither hat er sich auf Englisch eingeschossen, erklärt taktische Feinheiten bis zur Erschöpfung und verweigert jeden Blick in seine emotionale Schublade. Spieler berichten, er sei „klar, aber nicht konkret“. Das heißt: Wer zu spät kommt, fliegt – wohin, fragt niemand nach.
Die Zahlen sprechen für sich: Drei Mal kein Gegentor in Folge, ein Rekord seit 2022. Dahinter steht eine Abwehr, die endlich wieder Bälke wegdroschen statt herumzudribbeln. Doch weiter vorne beginnt Rieras Labor. Ritsu Doan war schon rechts, links, mittendrin und auf der Bank. Nathaniel Brown wechselt pro Halbzeit die Seite, Arnaud Kalimuendo schoss das Siegtor – als Rechtsverteidiger. Das ist kein Chaos, das ist Kalkül, sagt Riera. Die Spieler nicken, bis ihre Hüften streiken.

Video-meilen, frust und ein sommer mit wunschzettel
Die Kabine quält sich durch längst Videosessions als je zuvor. Ein Profi verrät anonym: „Wir schauen mehr Clips als Netflix-Originals.“ Alle sagen, sie seien bereit, bis der Akku leer ist. Doch auf dem Platz wirken manche wie überprogrammiert: zu viele Anweisungen, zu wenig Instinkt. Der Fan neben mir brüllt: „Können wir mal einfach nur kicken?“
Riera kümmert das wenig. Er habe keine echte Vorbereitung gehabt, keine Transferperiode, keinen Sommerurlaub. Dahinter steckt ein simpler Appell an die Geschäftsführung: „Schenkt mir Spieler, die meine Idee atmen.“ Und er kriegt sie, vermutlich. Denn intern heißt es, der Coach habe „deutlich hinterlegt“, wo die Reise hingeht. Wohin genau, wissen nur er und vielleicht seine Fitnesstrainer. Der Rest von uns guckt in die Röhre.
Fazit: Die Eintracht spielt stabil, aber ideenarm. Sie springt zwischen Systemen, aber nicht zwischen Toren. Riera bleibt ein Rätsel, das sich vielleicht erst im Juli löst, wenn die Transferliste länger ist als seine Pressekonferenz-Antworten. Bis dahin heißt es für Fans und Spieler gleichermaßen: Kopf hoch – oder ab, je nachdem, wen Sie fragen.
