Reitz bricht nach 17 jahren auf – rb leipzig zahlt gladbach die rekordablöse für ein eigenbauprodukt

Rocco Reitz zieht es weg vom Bökelberg, weg aus der Komfortzone. Nach 17 Jahren in Borussia-Grün unterschreibt der 23-Jährige bis 2031 bei RB Leipzig – und löst damit die höchste Ablöse aus, die Gladbach je für einen selbst gemachten Profi kassiert. Die Zahlen: knapp über 20 Millionen Euro, deutlich unter der 25-Millionen-Klausel, aber bar und sofort.

Warum leipzig weniger zahlt und trotzdem gewinnt

Die Leipziger Verhandlungsmaschine läuft auf Hochtouren. Statt der festgeschriebenen 25 Millionen überweisen sie laut kicker-Informationen eine Staffelung mit Boni, die die 20-Millionen-Marke nur leicht übersteigt. Dafür bekommen die Rheinländer das Geld sofort, nicht gestreckt über Jahre. Planungssicherheit nennt Sportchef Rouven Schröder das. Er nennt es auch „historisch“, denn nie zuvor schrieb ein Fohlen-Eigengewächs eine solche Ablöse.

Reitz selbst spielt den Deal herunter – zumindest öffentlich. „Ich werde mich in jedem verbleibenden Spiel zerreißen“, sagt er. Der Fokus liege jetzt auf dem Klassenerhalt, betont er. Dabei weiß jeder, der ihn in den vergangenen Wochen beobachtet hat: Sein Blick wandert schon Richtung Champions League, ein Wettbewerb, den er bislang nur vom Sofa kennt.

Ein derby als abschiedsvorstellung – und ein gastspiel, das pikant wird

Ein derby als abschiedsvorstellung – und ein gastspiel, das pikant wird

Am Samstag (15.30 Uhr) darf Reitz wieder auflaufen – im Rheinderby gegen Köln. Die Kölner werden pfeifen, das ist Tradition. Die Gladbacher Fans werden sich spalten: zwischen Dankbarkeit für 88 Bundesliga-Spiele und Verletzung, weil ihr Mittelfeld-Motor abwandert. Am 11. April kehrt er dann mit der Borussia nach Leipzig zurück. RB wird womöglich jeden Punkt brauchen, um die Königsklasse zu sichern. Ironie der Sportwelt: Der Neue hilft dann gegen den Alten.

Bis dahin heißt es: Zeigen, warum Rose und Eberl ihn überhaupt wollten. Reitz‘ Statistik liest sich unauffällig: 3,53 als kicker-Notenschnitt, acht Tore, sechs Vorlagen. Doch Zahlen täuschen. Sein Tempo nach Innen, seine Umschaltmoment – das sind Dinge, die sich nicht in Excel-Tabellen fangen lassen. Leipzig kauft Potenzial, nicht die fertige Weltklasse.

Gladbach wiederum kauft Zeit. Mit der Ablöse kann Schröder den Kader umbauen, Leihgebühren für Verteidiger zahlen, vielleicht sogar den einen oder anderen Leistungsträger halten. Der Klub verliert seinen Sechser, gewinnt aber Spielraum. Ob das reicht, um die Saison zu retten, entscheid sich auf dem Rasen – nicht auf der Bank.

Reitz‘ letzter Einsatz für Gladbach rückt näher. Kein Abschied mit Tränen, eher mit Anlauf. Er wird nicht in die Kurve winken, sondern direkt in die Zweikämpfe. Das passt zu ihm. Und es passt zu Leipzig, das keine Zeit verschwendet. Der Deal steht, die Trennung ist besiegelt. Nun zählt nur noch die Zeit bis Sommer – und die Punkte, die bis dahin auf dem Spiel stehen.