Reichert und ihr quartett feiern blitzstart – 3x3-wm-traum lebt

Marie Reichert schlug zweimal aufs Parkett, stand danach mit erhobenen Fäusten da und wirkte, als wäre sie nie weggewesen. Die Olympiasiegerin und ihre drei Teamkolleginnen haben der polnischen Nachtluft jede Spur von Nervosität entrissen: 21:14 gegen China, 22:10 gegen die Philippinen – nach 24 Stunden klingt Warschau plötzlich wie Berlin.

Wie ein schnellzug durch gruppe c

Gestern Mittag noch diskutierten die Experten, ob der sechste Rang im Setzplan die DBB-Frauen belasten könnte. Heute sprechen nur noch die Zahlen. Ama Degbeon legte die Verteidigung wie ein Zollstock aus, Britta Daub nagelte sich an jede Loose Ball, Laura Zolper traf vom Bogen denkbar knapp – und Reichert? Sie ließ die Chinesinnen zweimal hintereinander mit dem berühmten Step-Back reglos stehen. Die Arena vor dem Kultur- und Wissenschaftspalast tobte, als wäre das Viertelfinale schon jetzt sicher.

Der Trick ist simpel: Ballbesitzzeit unter sieben Sekunden, Distanzschüsse aus der „Money-Ball-Zone“ und eine Verteidigung, die nicht nach Luft schnappt. Gegen die Philippinen setzten die Vier dieses Rezept bis zur letzten Sekunde um. Das Ergebnis: nur fünf vergebene Ballverluste, zwei geblockte Würfe und eine Freiwurfquote von 83 Prozent. Zahlen, die sogar die US-Boys nebenan aufhorchen ließen.

Herren warten noch auf start frei

Herren warten noch auf start frei

Während die Frauen bereits den Gruppensieg anpeilen – damit wäre das Play-in für Rang zwei und drei obsolet –, rüsten sich Denzel Agyeman, Kevin Bryant, Fabian Giessmann und Niklas Kropp für ihren ersten Einsatz. Montag, 15.10 Uhr Ortszeit, treffen sie auf Japan, nur 140 Minuten später steht Neuseeland an. Drei Spiele in 26 Stunden – das Turnierformat frisst keine Zeit für Nachdenken.

Die Bilanz der Vorbereitung war zwiespältig: vier Siege, drei Niederlagen, dazu ein Kreuzbandriss im Trainingslager, der Kropp fast aus dem Kader katapultiert hätte. Doch genau diese Schicksalsschläge schweißen zusammen. „Wir haben gelernt, dass jeder Ball kostbar ist“, sagte Agyeman gestern beim Mannschaftstreffen im Hotel Bristol. „Wenn wir das verinnerlichen, kann uns in diesem Format jeder schlagen – und wir jeden.“

Die nächste stunde entscheidet alles

Zurück zur Frauenstaffel: Ein Sieg gegen Ungarn am Mittwochabend reicht, um Gruppe C zu übernehmen. Der Einzug ins Viertelfinale wäre die schnellste Finalteilnahme einer deutschen 3x3-Mannschaft seit der Disziplin-Einführung 2010. Und Reichert? Sie will nur eins: „Dass wir am Samstag wieder in dieses Stadion einmarschieren, um um Medaillen zu spielen.“ Die Uhr tickt – und Warschau hält den Atem an.