Regionalliga-reform kippt: klubs erheben sich gegen ihre verbände

Der DFB plant, die Regionalliga neu zu ordnen, doch genau das verhindern drei Landesverbände nun aus eigenem Machtkalkül. Klubs aus West, Nord und Bayern wenden sich gegen ihre Präsidenten – und drohen mit offenem Revolte.

Machtpoker statt sportlogik

Die Arbeitsgruppe Regionalliga hatte bereits in ihrer dritten Runde eine klare Mehrheit für das sogenannte Kompassmodell gefunden. Alle vier Regionalverbände stimmten dafür, künftig die Staffeln nicht mehr fix nach geographischen Zonen, sondern jährlich neu nach Fahrtstrecken aufzuteilen. Das Versprechen: weniger Kilometer, mehr Derbys, höhere Zuschauerzahlen. Doch in der vierten Sitzung zogen West, Nord und Bayern ihre Zustimmung ohne neue Argumente zurück.

Der Grund liegt tiefer. Peter Frymuth (West), Ralph-Uwe Schaffert (Nord) und Christoph Kern (Bayern) sitzen nicht nur an den Spitzen ihrer Verbände, sondern auch im DFB-Präsidium. Eine Reform würde ihre Einflusszonen verwischen, Zweitstimmen in Ausschüssen entwerten und den Machtfaktor „großer Verband“ relativieren. Kurz: Die drei blockieren, weil sie strukturell an der alten Ordnung verdienen.

Vereine rebellieren – fans kündigen eskalation an

Vereine rebellieren – fans kündigen eskalation an

Der Gegenwind kommt aus den eigenen Reihen. Marcus Uhlig, Geschäftsführer von Rot-Weiß Oberhausen, fordert die Funktionäre öffentlich auf: „Denkt nicht an die Erhaltung eigener Pfründe.“ In Bayern stimmten die Klubs in einer Krisensitzung mehrheitlich für das Kompassmodell – gegen die offizielle Linie ihres Verbands. Im Norden hätte Schaffert beim Niedersächsischen Fußball-Verband beinahe die Mehrheit verloren: 94 Enthaltungen, 94 Gegenstimmen, erst im zweiten Wahlgang 63 Prozent. Ein Ergebnis, das offenbar macht, wie brüchig der Rückhalt ist.

Die DFL nimmt den Konflikt zum Anlass, selbst Druck aufzubauen. Intern kursiert ein Konzept, das Zweitmannschaften auf U21 und nur noch einen überalterten Feldspieler reduzieren würde. Ziel: Traditionsvereine wie Kickers Offenbach oder MSV Duisburg hätten es leichter, sich gegen Reservemannschaften durchzusetzen – ein Zuckerbrot für die Südwest-Klubs, die borerseits noch zögern.

Der countdown läuft: nur noch 16 tage

Der countdown läuft: nur noch 16 tage

Am 25. März tagt die AG Regionalliga zum letzten Mal vor dem geplanten Beschluss. Die Fronten sind verhärtet. Ralph Grillitsch, Präsident von Carl Zeiss Jena, wirft den Blockierern Verrat am deutschen Fußball vor: „Wir lassen uns das nicht wieder kaputtmachen.“ Und Uhlig warnt: „Die organisierten Fanszenen sind eingebunden. Scheitert der Prozess, verschärft sich der Protest nachhaltig.“

Die verbandsinternen Revolten zeigen: Dies ist kein Streit um Spielpläne, sondern um die Verteilung von Macht und Geld in der Pyramide des deutschen Fußballs. Entscheidend ist jetzt, ob sich die Klubs durchsetzen – oder ob die alte Garde ihre letzten Hebel noch einmal ausfährt. Die Uhr tickt. Die Rebellion ist real. Und das nächste Aufschlagen der Karten findet nicht auf dem Rasen, sondern in den Hinterzimmern des DFB statt.