Regen verwandelt miami-center in see: sinner muss warten, bellucci fliegt durch den sturm

Der Hard Rock Stadium-Center Court gleicht einem Swimmingpool, die Qualifikation hängt am seidenen Faden – und Jannik Sinner darf noch nicht einmal aufwärmen. Kurz nach seinem Triumph von Indian Wells wartet Miami mit einem Wetterchaos auf, das schon die ersten Matches und den Turnierplan durcheinanderwirbelt.

Sturmflut statt sandplatz: der center court ist außer gefecht

Starke Regengüsse haben den Prestige-Court im Football-Stadium vollgesogen. Organisatoren sprechen von „nicht bespielbaren Flächen“, spielten den Rest des Tages runter. Geplant war, die Anlage über Nacht trocken zu legen – doch der Wetterbericht verspricht weiteren Dauerregen. Sollte sich der Zustand nicht bessern, rückt das gesamte Hauptfeld auf die Nebenplätze. Das klingt nach Lapalie, ist es nicht: In Miami zählt jeder Meter Tribüne, jedes VIP-Ticket. Ein Verlust des Center Courts wäre eine Milliarden-Imageschelle für das ATP-Management.

Für Sinner heißt das: Erst einmal abwarten. Sein Auftakt gegen den Sieger aus Buse/Dzumhur ist für Samstag terminiert – sofern das Wetter mitspielt. Sein Team hat die Sekundenherausforderung verinnerlicht: kurzes Aufschlagen, dann zurück in die Kabine, um keine Energie im Regen zu versenken.

Flug canceln, match gewinnen: belluccis irrfahrt

Flug canceln, match gewinnen: belluccis irrfahrt

Mattia Bellucci erlebte sein privates «Survival»-Drama. Nach der Finalniederlage in Cap Cana saß er bereits im Flieger Richtung Miami – Abflug annulliert. Neues Ticket, neue Startbahn, neuer Nervenkrieg. Kaum gelandet, schnappte sich der 22-Jährige seinen Schläger und schlug auf dem nassen Übungsplatz zwei Siege nacheinander heraus: zuerst gegen Nicolas Jarry, dann gegen Murphy Cassone. Ein Quali-Marathon nach 30 Stunden Reise. Nun fordert Alex Michelsen, einen US-Hoffnungsträger, der ausgeschlafen in seinem Hotel wachte. Bellucci dagegen trägt noch die Düsenabgase im Gepäck – und trotzdem gilt er als heiß.

Die Zahl, die alles sagt: Seit 2021 haben italienische Qualifikanten in Miami nur zweimal das Hauptfeld erreicht – Bellucci konnte es in 24 Stunden schaffen.

Sinner und alcaraz: ein händedruck voller dynamit

Sinner und alcaraz: ein händedruck voller dynamit

Bevor der Himmel wieder aufriß, lief Sinner auf Court 6 ein, spanische Akzent nebenan: Carlos Alcaraz. Die beiden Titelanwärter tauschten ein paar Flachstrecken, ein paar Lacher, dann die obligatorische Umarmung. Alcaraz beglückwünschte den Indian-Wells-Sieger, doch hinter den Lächeln lauert die Frage: Wer trifft wen im Finale? Die Buchmacher sehen Alcaraz knapp vorne (2,90), Sinner folgt bei 3,10 – ein Duell, das sich bereits in der Rangliste abzeichnet.

Doch zuvor gilt es, dem Wetter die Stirn zu bieten. Die ATP hat Ersatzpläne in der Schublade: Doppelheader auf Grand-Stand, Start schon morgens um 10 Uhr, Damen-und-Herren-Kombinationen. Die Spieler reagieren mit zusätzlichen Isolationsübungen, um Muskelkälte vorzubeugen. Eine Nebelmaschine für Tennisarme, irgendwo zwischen Show und Survival.

Und so sitzt Sinner in der Kabine, starrt auf Radarbilder und wartet auf grüne Flecken statt blauer Flecken. Miami wirft ihm seine nächste Prüfung auf – nicht etwa ein Gegner, sondern ein Wolkenbruch. Wer hier besteht, darf sich nicht nur Turniersieger nennen, sondern auch Wettersieger. Die Trophäe wäre in diesem Jahr doppelt schwer – und das meint er wörtlich.