Regen frisst asphalt: goiania rettet motogp-sprint mit not-op
Die Strecke schluckt sich selbst. Ein Sinkloch klafft mitten auf der Start-Ziel-Geraden des Autódromo Ayrton Senna, Regenwasser hat den Untergrund weggespült. Die Uhr tickt: Um 20.20 MEZ muss der MotoGP-Sprint starten, die Bagger dampfen noch.

Chaos in goiania: qualifying versinkt im dreck
Die Bilder gehen um die Welt. Asphalt, frisch geschnitten wie Kuchen. Darunter: Leere. Die Bauarbeiter schaufeln, stampfen, gießen. 45 Minuten vor dem Sprint soll das Loch gestopft sein, die Streckendecke wieder glatt. Die Piloten starren von der Boxengasse, einige schütteln den Helm. „Wir fahren doch nicht über ’nen Flickenteppich“, murmelt ein Crewchef.
Der Regen von Dienstag war Vorwarnung. Das Autódromo stand unter Wasser, Schlamm bedeckte die Boxengasse. Jetzt, vier Tage später, beißt sich die Strecke selbst. Moto3-Qualifying verzögert sich, Moto2 rutscht auf Sonntag. Die Brasilianer, die seit 2004 auf WM-Gastspiel warten, sehen zu, wie ihre Rennparty ins Wanken gerät.
Die Lösung ist Provisorium. Rechteckige Platte, Bitumen, Druckwalze. Die Strecke trägt nun eine Narbe, die jeder Fahrer im Visier hat. 3,9 km Rundkurs, 15 Kurven, eine einzige Unbekannte auf der Zielgeraden. Die Uhr läuft. 19.00 MEZ war geplant, 20.20 MEZ ist jetzt der Plan. Die Tribünen sind trotzdem voll, die Fans warten mit Regencapes und Dosenbier.
Goiania wollte ein Comebackfeiern – 1989 fuhr man zuletzt offiziell. Stattdessen liefert die Stadt ein Drama, das nicht im TV-Script stand. Die MotoGP-Promoter rechnen intern: jede Verspätung kostet Sendeplätze in Europa. Die Mechaniker rechnen anders: wie viel Grip bleibt auf der Not-Pflaster-Stelle? Die Antwort bekommen sie um 20.20 Uhr, wenn 22 MotoGP-Bikes mit über 360 Stundenkilometern darüber brettern.
Der Countdown läuft. Brasilien schaut, die WM schaut, die Streckenposten schauen auf frischen Asphalt. Keiner weiß, ob das Loch wirklich zu hält. Aber starten wird man trotzdem. In der Boxengasse sagt ein Ingenieur: „Wenn die Strecke beißt, beißen wir zurück – mit Turbo.“
