Real madrids achillesferse: auswärtsfluch droht final-four-traum zu zerstören

Madrid lebt doppelt. Im Palacio de los Deportes feiern sie spektakuläre Siege, doch sobald sie das Podium verlassen, verflüchtigt sich die Magie. Fünf Niederlagen um ein oder zwei Punkte in der Fremde – das ist kein Ausrutscher, das ist ein Muster. Und jetzt droht genau dort das Aus, wo sie zuletzt stets das Nachsehen hatten: in Piräus und Istanbul.

Die woche der wahrheit beginnt im olympiakos-kessel

Heute Abend (20.15 Uhr) empfangen die Griechen Real Madrid im Peace and Friendship Stadium. Die Kulisse brennt, der Tabellenzweite spielt seit Wochen auf Play-off-Modus. Für Sergio Scariolo ist das kein normales Doubleheader – es ist eine Offenbarung. Entweder seine Mannschaft beweist, dass sie auch fern der heimischen 12.000 Zuschauer ein Rückgrat besitzt, oder sie rutscht in die gefährliche Hälfte der Tabelle und verliert Heimvorteil für das Viertelfinale.

Der Coach schickt Travian Lyles mit auf die Reise, obwohl der Kanadier nach seiner Knieprellung noch nicht voll belastbar ist. Théo Maledon steht ebenfalls wieder bereit – ein Rückfall ins Krankenzimmer wäre tödlich, doch die Personaldecke ist dünn. „Wir haben keine Zeit für Schonung“, sagte Scariolo nach dem Training in Valdebebas. Die Botschaft: Wer jetzt nicht liefert, fliegt spätestens im Sommer raus.

Die zahlen, die madrid wecken sollten

Die zahlen, die madrid wecken sollten

17-1 lautet die Heimbilanz – Bestwert der Liga. Doch die Auswärtsstatistik ist ein offener Wundenlecken: 6-10, Platz neun in der Fremde. Olympiakos ist daheim 14-3, nur Valencia Basket teilt sich diese Marke. Die letzten fünf Pleiten außerhalb Spaniens lasen sich wie ein Krimi mit offenem Ende: Vitoria (-2), Kaunas (-2), Athen (-1), Monaco (-5), Belgrad (-1). Jeweils in den letzten Sekunden verloren.

Scariolo redet sich keinen Mist zusammen. „Manchmal ist es Pech, manchmal ein Fehlwurf, manchmal eine Schlafmütze in der Verteidigung“, sagt er. „Aber irgendwann muss ein Spieler auf dem Parkett sagen: Jetzt reicht’s. Den Fernseher gibt’s nicht.“

Die Frage ist nur: Wer übernimmt in Piräus die Fernbedienung? Edy Tavaresdominiert die Zone, aber auch er verpasste in den Schlusssekunden in Vitoria den entscheidenden Rebound. Sergio Llull traf in seiner Karriere unzählige Last-Second-Bomben, doch diese Saison rutscht ihm selbst der Ballhandling-Out zu häufig durch die Finger.

Fenerbahce wartet schon mit der klinge

Fenerbahce wartet schon mit der klinge

Donnerstag geht’s direkt weiter nach Istanbul. Fenerbahce Beko hat mit Scottie Wilbekin und Nigel Hayes-Davis zwei Closer, die in der EuroLeague-Datenbank unter „ice cold“ geführt werden. Dort verlor Madrid zuletzt 68-83 – das war kein knapper Abgang, das war eine Demontage. Wieder so eine Nacht, und der Traum vom Final Four in Athen droht, zur Farce zu werden.

Die Spieler wissen, dass sich in den nächsten 96 Stunden ihre Saison entweder fängt oder beendet. Die Klubführung wartet mit Vertragsangeboten, der Markt wartet mit Angeboten von der NBA und dem asiatischen Geldregen. Die Zeit der schönen Worte ist vorbei.

Scariolo wird heute Abend in Piräus nicht nur Systeme einzeichnen, sondern auch Seelen abtasten. Wer jetzt zittert, fällt durchs Raster. Wer denkt, dass 40 Minuten Kampf reichen, wird lernen, dass in der EuroLeague 40,1 Minuten nötig sind. Das Movistar Arena wird zu Hause weiter jubeln – doch ohne Punkte aus Griechenland und der Türkei wird das Heimspiel im Mai nur ein schönes Konzert ohne Halbfinale sein.

Real Madrid muss beweisen, dass es nicht nur ein Palast-Team ist. Die Wahrheit liegt 2.800 Kilometer südöstlich – und sie ist gnadenlos.