Real madrid muss geschichte umschreiben – oder ausscheiden
Das Allianz Arena wird zum Schauplatz einer Mission, die es in dieser Form noch nie gab: Der Real Madrid muss in München gewinnen, um überhaupt eine Chance auf die nächste Runde zu haben. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen den FC Bayern droht dem Titelverteidiger das vorzeitige Aus – und das, obwohl eine einzige Niederlage der Bayern die Königlichen zumindest in die Verlängerung schicken würde. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache.
Die mauer, die madrid nie durchbrochen hat
In der 70-jährigen Geschichte der europäischen Königsklasse gelang keinem Team, nach einem Heimpleite in der Hinrunde noch das Halbfinale zu erreichen. Die Weißen selbst kassierten 2020 nach dem 1:2 daheim gegen Manchester City im Rückspiel eine weitere 1:2-Pleite – und das trotz Rückkehr nach fünf Monaten Corona-Pause. Die einzige Ausnahme im europäischen Wettbewerb überhaupt datiert aus dem Jahr 1971: In der Recopa schlug Madrid nach dem 0:1 zuhause den Wacker Innsbruck mit 2:0 – in der Champions League blieb diese Marke unerreicht.
Die Statistik wird noch brisanter, wenn man den Ort betrachtet: Der FC Bayern verlor von 31 Fällen, in denen er das Hinspiel außerhalb Münchens gewann, nur einmal das Heimspiel – und das vor dreizehn Jahren. Am 15. März 2011 besiegte der amtierende Champion Inter Mailand die Bayern mit 3:2 im Allianz Arena, nachdem es in der Fremde 0:1 gestanden hatte. Ein Tor von Goran Pandev in der 88. Minute besiegelte die einzige Heim-Pleite nach einem Auswärtssieg in der Europacup-Geschichte der Münchner.

Arsenal war nah – und scheiterte trotzdem
Fast gelang das Kunststück zwei Jahre später dem FC Arsenal. Nach dem 1:3 im Emirates Stadium führten die Gunners durch ein spätes Kopfballtor von Laurent Koscielny mit 2:0 – doch der dritte Treffer wollte nicht fallen. Das Aus kam in der 93. Minute, als Bayern-Keeper Manuel Neuer einen letzten Konter abwehrte. Die Münchner zogen ins Viertelfinale ein und feierten am Ende den Titel in Wembley.
Die Lage für Madrid ist klar: Ohne Sieg ist Schluss. Aber selbst ein 1:0 würde reichen, um zumindest die Verlängerung zu erzwingen. Die Frage ist nur, ob Carlo Ancelotti seine Mannschaft so aufrütteln kann, dass sie eine Serie bricht, die seit über einem halben Jahrhundert besteht. Die Bayern haben in dieser Saison erst ein Pflichtspiel in der Arena verloren – und das erst in der Nachspielzeit gegen den VfL Bochum im Pokal. Wer dort gewinnen will, muss nahezu perfekt spielen.
Die letzte Mannschaft, die es schaffte, nach einem Rückstand in Madrid noch weiterzukommen, war 2001 der FC Bayern selbst. Nach dem 0:1 im Bernabéu siegten die Münchner mit 2:1 – und zogen ins Finale ein, das sie gegen Valencia im Elfmeterschießen gewannen. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie nagelt Real Madrid an die Wand. Entweder die Königlichen schreiben ein neues Kapitel – oder sie buchen früh den Heimflug.
