Rayo vallecano: ein fan reist nach leipzig – seine geschichte berührt
Ein Mann, ein Traum, eine Reise: Iván Fernández wird am Mittwoch in Leipzig dabei sein, wenn der Rayo Vallecano um den Einzug ins Finale kämpft. Seine Geschichte ist ein Spiegelbild der Leidenschaft und des Opfers, das tausende Fans für ihren Verein bringen – und zeigt, wie eine ganze Gemeinschaft zusammensteht, um einen Traum wahr werden zu lassen.

Die odyssee nach sachsen: mehr als nur ein flug
Es ist keine einfache Reise. Keine luxuriöse Anreise mit dem Team-Bus. Für Iván beginnt sie in Madrid, mit einem Flug von Barajas nach Erfurt, weil es keine direkteren Verbindungen gab. Von dort aus eine weitere Stunde und dreißig Minuten mit dem Bus zum Leipziger Stadion. Eine logistische Herausforderung, die sich jeder Fan wünschen würde, aber die Iván mit stoischer Gelassenheit annimmt: „Jede Kombination, die mich in die Nähe von Leipzig bringt, ist für mich in Ordnung.“
Iván, ein bescheidener Concierge in einer Wohnanlage, hat sein Leben dem Rayo Vallecano gewidmet. 21 Jahre lang lebte er in Vallecas, dem Herzen des Vereins, bevor er mit seiner Partnerin in La Elipa zog. Sie ist keine eingefleischte Fußballerin, aber sie kennt die Gesänge, die aus dem Wohnzimmer dringen, wenn der Rayo trifft. „Sie droht mich schon aus der Wohnung zu werfen“, lacht Iván.
Diese Saison konnte er die Mannschaft bei keinem Auswärtsspiel unterstützen – sein Sohn benötigt besondere Betreuung. Leipzig ist daher seine Chance, all das nachzuholen, was ihm bisher verwehrt blieb. Sein erstes europäisches Auswärtsspiel mit dem Rayo. Und was für eines!
Die Nachbarschaft packt an: Eine Spendenaktion für einen Traum
Die Geschichte von Iváns Reise ist ein Beweis für die unglaubliche Solidarität der Rayo-Gemeinschaft. Seine Kollegen aus der Wohnanlage, in der er arbeitet, haben eine Spendenaktion gestartet. Ein Sparschwein und ein Plakat mit der Aufschrift „Hilfe für Iván zur Finalreise“ wurden aufgestellt. Innerhalb weniger Tage waren bereits über 735 Euro zusammengekommen – genug, um Iváns Traum zu verwirklichen.
Er reist mit seinem Bruder, seinem Neffen und einem Freund. Und er wird das Trikot tragen, das er schon seit Wochen vorbereitet: „Immer wenn ich es anziehe, gewinnt der Rayo.“ Seine Nachbarn haben ihm eine besondere Aufgabe übertragen: „Sie haben mir gesagt, ich soll unbedingt die Trophäe mitbringen, sonst lassen sie mich nicht rein.“
Und dann ist da noch das Versprechen, das er gegeben hat: Sein Haar wird er erst dann schneiden lassen, wenn der Rayo sich für das Finale qualifiziert hat. Bei einem Sieg will er es weiß färben und eine weiße Streifen aufmalen – ein Zeichen seiner unerschütterlichen Loyalität.
Erinnerung an die, die nicht mehr da sind
In Leipzig wird Iván an viele Menschen denken, die nicht mehr dabei sein können. An die treuen Anhänger, die den Verein über Jahrzehnte unterstützt haben, ohne jemals ein solches Spiel zu sehen. Und an David, einen 28-jährigen Mitarbeiter des städtischen Reinigungsdienstes, der bei einem tragischen Unfall auf dem Weg zum Wertstoffhof ums Leben kam. Er hatte Karten für das Finale gekauft. Seine Kollegen haben ihm gestern einen stillen Tribut gezollt.
„Egal, ob wir gewinnen oder verlieren, wir haben Geschichte geschrieben. Und wir müssen mit erhobenem Kopf dorthin gehen“, sagt Iván, bevor er die Verbindung abbricht. Der Rayo Vallecano schreibt seit über hundert Jahren seine Geschichte. Am Mittwoch in Leipzig wird er sie mit zehntausenden Fans gemeinsam fortsetzen.
