Rapid-wahnsinn: von der meisterträumerei zum historischen debakel

Die grün-weiße Achterbahn ist entgleist. Noch vor Weihnachten glaubte Rapid an den Titel, jetzt zittert Hütteldorf um die Meistergruppe. Zwölf Pflichtspiele ohne Sieg – so tief stürzte der 127-jährige Klub noch nie.

Der moment, als alles kippte

347. Wiener Derby, 1:3. Abubakr Barry tanzte durch ein Mittelfeld, das ohne Mamadou Sangaré plötzlich leer stand. Peter Stöger hatte gewarnt, dass die frühen Siege „nicht so überzeugend“ waren; das Trio Barry, Kevin Danso und Manfred Fischer machte die Worte wahr. Von da an folgte Rapid nichts als Schmerz: Salzburg-Sturm-Punkte weggeschenkt, Conference-League-K.o., Cup-Blamage in Ried. Johannes Hoff Thorup nahm die Trophäe „Hoffentlich besser im April“ mit, während Stefan Kulovits nach Stögers Rauswurf frohlockte: „Eine unglaublich coole Woche für mich.“ Der Satz klang in den Fanforen wie Pfeifkonzert.

Die Transferbilanz liest sich heute wie ein Horrorszenario. Für die Jansson- und Sangaré-Millionen holte Markus Katzer Tobias Gulliksen, Martin Ndzie, Marco Tilio und Andrija Radulovic – vier Spieler, die zusammen gerade mal 312 Bundesliga-Minuten sammelten. Statt Spitzenreiter zu jagen, schliddert Rapid auf Platz sieben. Die internationale Prämie in Höhe von 3,8 Millionen Euro ist längst weg, die Meistergruppe nur noch rechnerisch zu erreichen.

Dahl: das glück kam mit muskelriss

Dahl: das glück kam mit muskelriss

Petter Nosa Dahl war der einzige Grund, warum die Anfangseuphorie nicht sofort verpuffte. Fünf Spieltage lang glänzte der Norweger mit Tempodribblings und drei direkten Torbeteiligungen. Dann riss die Adduktorensehne, und mit ihm brach Rapid in sich zusammen. Seit seinem Comeback gegen St. Pölten läuft es wieder – zumindest ein bisschen. Die Punkte-Schnittkurve zeigt nach oben, doch die Lücke zur Tabellenspitze ist auf acht Punkte angewachsen.

Nunoo statt tilio: die einzige richtige entscheidung

Nunoo statt tilio: die einzige richtige entscheidung

Während teure Flops die Tribüne verlassen, erobert sich ein 19-jähriger Ghanaer den Platz. Daniel Nunoo spielte sich in zehn Kurzeinsätzen mit Sprintduellen und Dribblings in die Startelf – und das trotz Muskelbündel-Risiko. Beim 1:0 gegen Salzburg drehte er 15 Minuten lang auf der rechten Abwehrseite auf, bevor ihn die Oberschenkelzerrung stoppte. Die Botschaft ist klar: Rapid kann sich Talente selbst erziehen, muss nur zusehen, statt Millionen zu verbrennen.

Die Saison ist zur Halbzeit noch nicht gelaufen, doch die Lektion steht: Ohne Sangaré keine Balance, ohne Dahl keine Magie, ohne Nunoo keine Zukunft. Wer in Hütteldorf weiter von Titeln träumt, muss erst einmal die Realität gestalten – und die sieht derzeit trister aus als jedes Derby seit 1899.