Raketenalarm in dubai: euroleague-stars nach tagen der angst evakuiert

Die Sonne über dem Burj Khalifa war noch nicht aufgegangen, als Shake Milton, Duane Washington und Dylan Osetkowski erkannten: Ihr Traumurlaub wird zur Falle. Statt Champagner-Frühstück und Wüsten-Safari erlebten die Partizan-Profis 72 Stunden Angst, weil iranische Drohnen die Lufthöhe der Vereinigten Arabischen Emirate zur Kriegszone erklärten.

Die nacht, in der dubai den atem anhielt

Um 2.47 Uhr Ortszeit heulten die Sirenen. Osetkowski, 2,06-Meter-Center mit deutschem Pass, war gerade dabei, seine 38-Feld-Prozent-Dreierquote aus der BBL-Zeit in Ulm auf Instagram zu feiern. Sekunden später suchten alle drei Spieler Deckung in der Hotelküche. „Die Explosionen waren so nah, dass die Fenster wackelten“, berichtete Washington später auf Snapchat – das Video löschte er binnen Minuten wieder.

Was niemand wusste: Die serbische Klubführung hatte bereits am ersten Abend alle Kontakte gezogen – von Privatjet-Besitzern über den türkischen Konsul bis zur slowenischen Basketball-Legende Sarunas Jasikevicius. Der Fenerbahce-Coach war zufällig mit seinem Assistententeam in Dubai, um Talente zu scouten. Jasikevicius verwandelte sich binnen Stunden zum Krisenmanager.

Geheimdeal über whatsapp

Geheimdeal über whatsapp

Die Lösung kam über eine Gruppe, die „Adria-Express“ getauft wurde. In ihr verhandelten Jasikevicius, der slowenische Verband und ein israelischer Sicherheitsdienst. Preis: 35.000 Euro pro Kopf – bar, in Dollar, vor dem Gate. Die Maschine, eine Learjet 60, startete am Mittwoch um 5.13 Uhr vom Militärflugplatz Al-Maktoum, nicht von Dubai International. Grund: der zivile Tower war nach wie vor gesperrt.

In Ljubljana angekommen, stiegen 17 Passagiere aus – darunter drei Kinder des ANGE-Turniers, die seit zehn Tagen auf Heimflüge warteten. Osetkowski postete ein Foto vom Flugzeugfenster: Sonnenaufgang über Kroatien, dazu das Caption „Neue Perspektive“. Die Anekdote: Er hatte seinen Partizan-Vertrag erst vor zwei Wochen unterschrieben und sollte ursprünglich am Montag zum ersten Training erscheinen. Stattdessen saß er in einem Balkon-Suite-Bunker und studierte Spielzüge auf dem iPad.

Nächster stopp: belgrad, dann athen

Nächster stopp: belgrad, dann athen

Die Euroleague musste drei Partien verlegen – darunter auch das Topspiel Fenerbahce – Partizan, das für den 19. Oktober angesetzt war. Liga-Chef Dejan Bodiroga kassierte intern Kritik, weil er die Geisterspiele erst nach Druck der US-Botschaft anordnete. Offiziell heißt es: „Sicherheit geht vor.“ Inoffiziell flüstert man in Athen und Barcelona: Die TV-Rechte sind in Gefahr, wenn Stars wie Milton plötzlich fehlen.

Milton, 27, war letzte Saison noch bei den Philadelphia 76ers unter Vertrag. Sein Dubai-Trip galt als Belohnung nach dem Playoff-Aus. Nun droht ihm eine Geldstrafe, weil er ohne Klub-Erlaubnis das Land betrat. Partizan-Präsident Ostoja Mijailovic dementiert: „Keine Sanktionen. Die Jungs haben ihre Haut gerettet – mehr nicht.“

Zahlen, die nachhallen

Die iranischen Drohnen erreichten eine Geschwindigkeit von 185 km/h, berichtet das US-Militär. Die Flughöhe: nur 60 Meter – zu niedrig für die meisten Abwehrsysteme. In der Nacht zum Dienstag wurden 23 Raketen abgefeuert, fünf erreichten Stadtbereiche. Die Schadenssumme: 1,2 Milliarden Dollar, beziffert die Versicherungsfirma Lloyd’s. Und die NBA? Die Liga schickte sofort eine Sicherheitsrichtlinie an alle 30 Teams: keine private Reisen mehr in die Golfregion bis auf Weiteres.

Osetkowski wird am Freitag in Belgrad erwartet. Dann geht’s für Partizan nach Kragujevac, zu einem Vorbereitungsturnier gegen Roter Stern. Er hat einen Satz parat: „Ich habe in Ulm gelernt, dass Basketball manchmal zweitrangig ist. Aber wenn der Ball wieder hochgeht, werde ich jeden Dreffer den Leuten widmen, die uns da rausgeholt haben.“

Die Euroleague startet am 20. Oktober in die neue Saison. Die Raketen haben aufgehört, die Drohnen sind abgefangen. Die Geschichte aber – die wird noch lange durch die Kabinen geistern. Denn wer einmal in der Wüste saß und auf einen freien Luftraum wartete, der weiß: Sport ist Luxus. Luft ist alles.