Protestler stürzt molano und groenewegen profitiert: kanter landet trotzdem auf dem podest
Ein einzelner Mann mit einem T-Shirt, auf dem „Kinder sterben durch die Klimakrise“ stand, riss den Vorjahressieger Sebastián Molano mit sich und bescherte Dylan Groenewegen den dritten Sieg in Serie – Max Kanter fuhr als Dritter durchs Zielband, als wäre nichts gewesen.

Wind, regen und ein mensch als mobile straßensperre
Die 50. Auflage der Ronde van Brugge war eigentlich ein Neuanfang. Statt De Panne sollte Brügge ein sicheres Finale liefern, 202,9 km, flach, aber mit Kopfsteinpflaster. Das Rennen bekam genau das Gegenteil: Sturmfronten, ein Flickenteppich aus Stürzen und 15 km vor dem Ziel den Moment, der alles kaputtmacht. Der Demonstrant bewegt sich zu spät, die Polizei reagiert zu spät, Molano knallt auf den Asphalt. Im Peloton bricht Panik aus, hinter dem Einsatzwagen formiert sich eine neue Spitzengruppe – Groenewegen ist live dabei.
Max Kanter sieht nur noch einen roten Blitz, beschleunigt aus dem Windschatten von Jasper Philipsen und schafft das, was ihm seit Jahren fehlt: ein Podestplatz im WorldTour-Sprint. „Ich habe nur noch aus Reflex reagiert“, sagt er später, die Stimme heiser vom kalten Wind. „Plötzlich war die Straße frei, und ich wusste: Jetzt oder nie.“
Die Statistik spricht eine klare Sprache: Drei Siege in Folge für Groenewegen, drei Jahre Pech für Kanter. Der Deutsche verlor 2023 beim Deutschland Tour-Auftakt die Führung durch einen Platten, 2024 schmiss ihn ein Covid-Ausbruch aus der Form. Jetzt, mit 28, ist er wieder da – und das mit einem Rad, das nach Sturz und Protestaktion noch einmal neu erfunden wurde.
Phil Bauhaus, Deutschlands Sprinter-Hoffnung, bleibt auf der Strecke. Auch für ihn ein Muster: Wer in Brügge nicht aufpasst, fliegt raus. Die Organisatoren rechnen intern bereits mit Schadensersatzforderungen, denn die neue Strecke sollte genau das verhindern. Stattdessen steht die Sicherheitsdebatte wieder am Anfang.
Die Uhr tickt. In zwei Wochen ist Gent-Wevelgem, dann die Frühjahrs-Klassiker. Kanter fliegt heute Nacht noch nach Calpe, um die Beine zu schrubben. Er weiß: Das Podest ist kein Happy End, sondern die Eintrittskarte zurück in die erste Reihe. Und Groenewegen? Der feiert auf dem Marktplatz von Brügge, wo einst die belgischen Radlegenden trainierten, seinen eigenen Kreislauf: Sieg, Sieg, Sieg – bis der nächste Protestler kommt.
