Prosieben rüttelt den handball wach – 660.000 sahen den auftakt, der dhb jubelt trotz mikro-blackout
Mark Schober kann die Debatte über drei verpasste Sekunden nicht mehr hören. 660.000 Menschen schalteten bei ProSieben ein, als die DHB-Auswahl Ägypten das erste Mal besiegte – die höchste Reichweite für ein Länderspiel seit Jahren. Drei Sekunden Werbeversatz am Ende des zweiten Duells? Peanuts, sagt der Verbandschef und streicht die Zahlen auf den Tisch.
Prosieben statt ard – der handball wagt den sprung in das reich von joko und klaas
Die Entscheidung fiel im November, geheim, innerhalb von 48 Stunden besiegelt. ProSieben sicherte sich für die kommenden fünf Jahre die Rechte an der Nationalmannschaft, zahlte einen zweistelligen Millionenbetrag, den der DHB zuvor nicht einmal in der DNA hatte. Schober nennt das „strategisches Neuland“, gemeint ist: Abschied vom staatlich subventionierten Sportfragment, Hello Commercial Break. Der Sender ging mit Splitscreen-Timeouts an den Start, warf Werbung in die Auszeit und produzierte nach, was Zuschauer live verpassten. Kritik? Twitter tobte. Schober zuckt mit den Schultern: „Fehler passieren, die Reichweite zählt.“
Die Argumentation folgt einer einfachen Logik: Wer den Handball vergrößern will, muss dort auftauchen, wo die 14- bis 49-Jährigen ohnehin hängen. Joyn, Dyn und Sporteurope.TV liefern Streams für Hardcore-Fans, ProSieben liefert das Massenpublikum. Die Quoten bestätigen die These: 4,8 % Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe, 1,3 Millionen Abrufe auf Joyn innerhalb von 24 Stunden nach dem Abpfiff. Selbst das kurze Signalversagen in der 59. Minute sorgte für Publicity – und versiegelte letztlich die Erinnerung an die Sendung.

Späth und schluroff werden zur prime-time-attraktion
Während die Bundesliga pausiert, fliegen David Späth und Miro Schluroff per Sonderflug nach München. Joko & Klaas wollen das neue Gesicht des Handballs, Schober will Sichtbarkeit. Die Aufzeichnung der Show wird auf 4,5 Millionen Kontakte prognostiziert. „Das ist mehr, als wir mit einer Eurosport-Dokusoap je erreicht hätten“, rechnet der Manager vor. Die Botschaft: Handball ist nicht mehr nur Sport, er ist Content, er ist Casting, er ist Popkultur.
Fragt man intern, wie lange die Euphorie anhalten kann, fällt das Wort „Katalysator“. Die Liga soll mitziehen, die Klubs sollen kreative Rechtepakete schnüren, die Nationalspieler sollen Follower mitbringen. Schober hat interne KPI-Zahlen aufgestellt: 50 % Reichweitenplus bis 2027, 25 % Sponsorenwachstum, 30 % Zuwachs bei Jugendlizenzen. Klingt nach Excel-Tabelle, ist aber die Keimzelle für ein neues Selbstverständnis.
Die Ägypten-Spiele sind erst der Anfang. Im Oktober folgt der EM-Quali-Marathon, im Januar 2027 die Weltmeisterschaft – ausgetragen in Deutschland, vermarktet durch ProSiebenSat.1. Dann will Schober nicht 660.000, sondern sechs Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen. Ob die Timeouts weiterhin im Splitscreen laufen? „Wird verhandelt“, sagt er und grinst. Hauptsache, alle reden mit. Der Handball hat seinen Auftritt gerade erst gelernt – und versteht langsam, dass manchmal ein Mikro-Blackout der größte Werbefigaro ist.
