Prestianni brüllt zurück: „rassismus-vorwurf ohne beweise – das zerstört familien“
Gianluca Prestianni sitzt in Lissabon, zieht die Schultern nach vorn und spricht, als wolle er das Spielfeld betreten. „Ich habe Vinícius nie ‚Affe‘ genannt. Aber ich habe gehört, wie Mbappé mich ‚verdammter Rassist‘ schimpfte.“ Die Sätze fallen schnell, fast ohne Atempause. Der 19-jährige Flügelspieler von Benfica liefert keine PR-Entschuldigung, sondern ein Gegen-Protokoll gegen die UEFA, gegen Kameras, gegen eine Story, die sich in den sozialen Netzen längst verselbständigt hat.
Mbappés anklage ging viral – doch die tonspur blieb leer
17. Februar, Estádio da Luz, Champions-League-Playoff. Nach dem 0:1 gegen Real Madrid unterbricht Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie. Vinícius Junior renkt sich den Kopf, zeigt auf Prestianni, sagt: „Er hat mich fünfmal ‚Affe‘ genannt.“ Kylian Mbappé bestätigt es Minuten später vor der Kamera. Die Clips werden millionenfach geteilt, die UEFA eröffnet ein Disziplinarverfahren – ohne Mikrofon-Mitschnitt, ohne Lippenleser-Gutachten, nur auf Basis der Spieler-Statements.
Prestianni wurde für das Rückspiel gesperrt, Benfica zahlte 25 000 Euro, die Nachrichtenagenturen schrieben „Rassismus-Skandal“. Was kaum jemand nachlieferte: Kein Mikrofon fing ein verwerfliches Wort ein, kein Teamkollege bestätigte die Vorwürfe, selbst die portugiesische Polizei fand keine Beweise. Dennoch wurde der Argentinier vorab verurteilt – in der Öffentlichkeit, nicht vor Gericht.

„Mein vater bekacht todesdrohungen, meine mutter weinte bis drei uhr morgens“
„Ich bin Profi, ich werde mit Beschimpfungen fertig“, sagt Prestianni und kneift die Augen zusammen. „Aber wenn dein kleiner Bruder in der Schule gefragt wird, waro sein Bruder ein Nazi sei, wenn deine Großeltern WhatsApp-Sprachnachrichten voller Hass bekommen – da hört der Spaß auf.“ Die Sperre habe ihn sportlich getroffen, die Berichterstattung aber habe „meine Familie in ein Käfig gestellt und den Schlüssel weggeworfen“.
Intern habe er sich mit Kollegen wie Morato und David Neres zusammengesetzt, „die dieselbe Hautfarbe wie Vinícius haben“. Es habe keine nennenswerten Konflikte gegeben, nur Gespräche über Wortwahl, über kulturelle Unterschiede. „In Argentinien sagt man ‚boludo‘, ohne jemanden als Schwulen zu beschimpfen. Es ist ein Modewort, keine Homophobie.“ Doch die Nuancen würgen Algorithmen; ein Clip reicht, um ein Lebensbild zu zeichnen.

Uefa-verfahren läuft weiter – prestianni droht ein halbes jahr pause
Der Ethik- und Disziplinarinspektor der UEFA wird in den nächsten Wochen ein Gutachten vorlegen. Fällt das Urteil erneut gegen Prestianni, drohen ihm bis zu sechs Sperrspiele und eine Geldstrafe in Höhe eines Jahresgehalts. Benfica hat bereits angekündigt, vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen. „Ich will keine Unschuldskarte geschenkt bekommen“, sagt Prestianni. „Ich will einfach nur, dass Beweise zählen, nicht Hashtag-Dynamik.“
Bis dahin trainiert er einzeln, abseits der Kameras. Am 8. April steht das Viertelfinal-Hinspiel an – falls er spielen darf. „Dann wird meine Antwort auf dem Rasen stehen, nicht auf Twitter.“
Die Debatte um Rassismus im Profifußball ist wichtig, sie ist überfällig. Aber sie wird zur Farce, wenn Empörung Ermittlung ersetzt. Prestianni hat kein Video, das seine Unschuld beweist – nur seine Geschichte. Die lautet: Erst verlieren, dann beschimpft werden, danach beschuldigt und schließlich verurteilt. Alles innerhalb von 180 Sekunden Spielunterbrechung. Wer so schnell richtet, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann niemand mehr zuhört.
