Pozzovivo schlägt zurück: 43-jähriger will nach rücktritt plötzlich wieder profirunden bestreiten
Er hatte Abschied getränkt, die Schuhe an den Nagel gehängt, die Karriere nach fast 20 Jahren auf der Straße für beendet erklärt. Nun steht Domenico Pozzovivo vor einem Comeback, das selbst italienische Radsport-Insider überrascht. Der 43-jährige Basilikata will beim Tour of the Alps (20.–24. April) wieder in das Profipeloton einsteigen – weniger als fünf Monate nach seinem letzten Rennen.
Die verhandlungen laufen bereits
Hinter den Kulissen ist die Sache weit gediehen. Laut Gazzetta dello Sport hat Pozzovivo eine mündliche Einigung mit der italienischen Continental-Equipe Solution Tech NIPPO Rali erzielt. Die Lizenz gilt noch als Formsache, doch wer den leise lächelnden Kletterer kennt, weiß: Sobald er sich etwas in den Kopf setzt, wird es Realität. Sein letztes Rennen war der Giro di Lombardia im Oktober 2024 – ein klassischer Saisonausklang, der damals wie ein endgültiger Vorhang wirkte.
Zwölf Monate zuvor hatte er beim Giro d’Italia bereits Rekordgeschichte geschrieben: 18 Teilnahmen, zusammen mit Legende Vladimiro Panizza. Fünfter Gesamtrang 2014 und 2018, 13 Profisiege, ein Ruf als eisernes Bergvolk. Dann die Abschiedstour, die Tränen am Madonna del Ghisallo, die Familienfotos. Vorbei, dachten alle.
Doch der lockere Rücktritt kam offenbar zu früh. Pozzovivo trainiert weiter, seine Werte auf dem Monte Vulture sollen laut Teambetreuer „nahe an Bestmarken“ liegen. Die Frage lautet nicht mehr, ob er noch kann – sondern: Warum jetzt?

Die antwort liegt im rhythmus der berge
Der Tour of the Alps gilt als Generalprobe für Giro-Fahrer; steile Anstiege, enges Feld, kein Weltcup-Stress. Genau Pozzovivos Terrain. Für die Solution Tech NIPPO Rali wäre sein Start ein Medienknaller: Ein erfahrener Leitwolf, der Jungspunde anleitet und Sponsoren lockt. Für Pozzovivo selbst die Chance, ohne Druck noch einmal die Stelvio-Kehren zu riechen, ohne dass gleich ein ganzes Land vom Podium träumt.
Die UCI-Regularien erlauben einen raschen Lizenzwechsel, wenn die Nummer frei bleibt. Italienische Behörden signalisieren laut Verband „grünes Licht“. Bleibt die Frage der Form. Wer ihn in den letzten Wochen auf den Abruzzenstraßen sah, berichtet von einem Gestell, das noch immer schmal wirkt, fast zerbrechlich – aber mit dem entschlossenen Blick, der einst Chris Froome auf dem Blockhaus nervös machte.
Ein Start beim Tour of the Alps würde bedeuten: 13 Monate nach seinem letzten Giro-Einsatz rollt er wieder über dieselben Passhöhen, nur dieses Mal ohne Rosa auf der Brust. Stattdessen trägt er das magere Budget eines Continental-Teams – und vielleicht das feine Lächeln des Mannes, der weiß: Radsport ist ein Kino, in dem manchmal dieselbe Vorstellung zweimal läuft.
Wenn die Pässe grün werden und der Gletscher schmilzt, wird Domenico Pozzovivo wieder da sein. Nicht als Legende im Abgang, sondern als Fahrer mit Startnummer im Ziel. Das Peloton wird ihn sehen – und kurz den Atem anhalten. Denn manchmal braucht der Sport keine neue Helden, sondern einfach nur ein altes Gesicht, das die Steigung neu erzählt.
