Potter schlägt bombe: bardghji raus, isak dabei – schwedens wm-kader im check
Graham Potter hat sie alle auf dem Kieker gehabt, die Gerüchte über Roony Bardghji und seine angebliche Knie-Reizung. Jetzt ist klar: Der 19-jährige Top-Talent von Kopenhagen fehlt im endgültigen 26er-Aufgebot für Katar. Stattdessen vertraut der neue Schweden-Coach auf die Doppellatte Alexander Isak und Viktor Gyökeres – ein Duo, das in der Vorbereung gegen Norwegen (1. Juni) und Griechenland (4. Juni) schon mal Dampf machen soll.
Die abwesenheit, die alle brennen lässt
Bardghji war in den letzten Monaten der Hoffnungsträger der „Tre Kronor“-Fans. Seine explosive Art, rechts außen die Linie runterzubrennen, passt perfekt zu Potters Ball-besitz-Ideen. Doch der Körper streikt. Der Spieler selbst schwieg gestern, doch aus dem Umfeld heißt es: „Roony hätte nur 70 Prozent gebracht – und das reicht Potter nicht.“ Stattdessen rückt Anthony Elanga nach, der bei Newcastle in der Rückrunde regelmäßig von der Bank kam und jetzt seine erste WM-Ticket löst.
Die andere Hiobsbotschaft trifft Williot Swedberg. Der Celta-Youngster war beim letzten Lehrgang noch dabei, doch sein letztes Liga-Spiel gegen Villarreal (0 Tore, 0 Assists in 68 Minuten) war wohl zu blass. Sein Klubkollege Carl Starfelt hingegen darf mit nach Katar – ein kleiner Trost für die Galicier.

Die zahl, die skandiert: 14 liga-tore in 29 spielen
So lautet die Bilanz von Viktor Gyökeres seit seinem Wechsel zu Arsenal. Der 26-Jährige ist kein klassischer Strafraumhai, sondern ein Pressing-Monster, das schon nach fünf Metern den Torwart beim Abspiel stört. Potter will genau diese Energie in der Gruppe D gegen Tunesien, die Niederlande und Japan. Neben ihm wartet Alexander Isak auf seine endgültige Durchbruch-Mission. Der Liverpool-Stürmer traf in der Premier League zuletzt in fünf Spielen in Serie – ein Lauf, den er mit Schweden fortsetzen will.
Im Tor setzt Potter auf Erfahrung: Kristoffer Nordfeldt (AIK) bekommt den Nummer-1-Status, während Viktor Johansson von Stoke und Derby-Keeper Jacob Widell Zetterström das Trio vervollständigen. Hinten raus kommt Victor Lindelöf von Aston Villa als erklärter Anführer. Seine 63 Länderspiele sind mehr als doppelt so viele wie die der gesamten Innenverteidigung zusammen.
Mittelfeld-Turbo Lucas Bergvall (18, Tottenham) ist der Jüngste im Kader. Der Linksfuß kann sowohl die Sechs als auch die Acht besetzen und gilt als Geheimwaffe bei Ballgewinnen im Mittelfeld. Ihm zur Seite steht Mattias Svanberg, der bei Wolfsburg in der Bundesliga 2.011 Zweikämpfe in dieser Saison bestritt – kein Schwede kam in den Top-5-Ligen auf mehr.

Der plan: frisches blut, alte dna
Potters erste WM-Konferenz gestern in Solna dauerte nur neun Minuten. „Wir wollen mutig pressen, schnell umschalten und nie länger als acht Sekunden nach Ballverlust ohne Zugriff bleiben“, sagte er. Das klingt nach Brighton 2.0 – nur eben mit gelb-blauer Sturmtaktik. Die Testspiele gegen Norwegen und Griechenland sollen vor allem eins zeigen: Wer schafft es, Isak und Gyökeres gleichzeitig mit Ball- und Raumgewinn zu versorgen?
Die Antwort gibt’s in zwei Wochen. Dann fliegt Schweden nach Doha – ohne Bardghji, aber mit dem vielleicht torgefährlichsten Duo seit Zlatan-Ära. Die Fans sind gespalten: Die einen trauern um das Talent, die anderen feiern den Mut. Potter selbst bleibt kühl: „Ich bache keine Sterne, ich baue eine Mannschaft.“
Wenn am 15. Juni in der Khalifa Arena die Hymne ertönt, muss diese Mannschaft bereit sein. Die Uhr tickt. Und die Skandinavier haben ihren Plan: Keine halben Sachen – nur volle Pulle bis zum Abpfiff.
