Popp fällt aus: wolfsburgs lyon-traum droht zu platzen
Alexandra Popp wird Dienstag nicht in der Arena stehen, sondern auf der Tribüne hocken – und das ist noch die harmloseste Variante. Die 34-Jährige zog sich beim 1:0 in Hoffenheim eine Muskelverletzung ohne Gegnerkontakt zu, wie der VfL am Montag mitteilte. Fazit: mehrere Wochen Pause. Damit ist nicht nur das Hinspiel gegen Olympique Lyon ruiniert, sondern auch das Rückspiel neun Tage später. Für Wolfsburg ist das ein Schock, für Popp möglicherweise das vorzeitige Ende ihrer Champions-League-Karriere.
Die zahlen sprechen eine klare sprache
Popp steht bei 112 UWCL-Einsätzen, nur Lyon-Kapitänin Wendie Renard hat mehr (130). Mit zwölf Treffern und 16 Vorlagen in dieser Bundesliga-Saison ist Popp interne Topscorerin – und das ist nur die Spitze ihres Wertes. Ihre Laufbereitschaft, ihre Ansprache, ihre Gabe, in Zweikämpfen zu verschwinden und mit dem Ball wieder aufzutauchen: das gibt es in dieser Kombination europaweit nur einmal. Gegen Hoffenheim war sie in der 17. Minute ausgewechselt, humpelte, schlug die Hand vor das Gesicht. Trainer Tommy Stroot sprach später von „einem Bild, das sich keiner wünscht“.
Statt Popp wird nun Lineth Beerensteyn zentral stürmen. Die Niederländerin traf zuletzt dreimal in Serie, doch ihr Spiel ist Tempo, nicht Struktur. Popp hingegen ist Wolfsburgs Pressing-Metronom. Ohne sie verliert das 4-4-2 seine Aggressionslinie, die Räume werden größer, die Gegenstoßrisiken steigen. Lyon reist mit Ada Hegerberg, Eugénie Le Sommer und Selma Bacha – Triple-A-Niveau. Wolfsburg muss nun mit einem Doppel-A-Angriff antreten.

Der zeitplan arbeitet gegen die wölfinnen
Am 5. April steht das Pokalhalbfinale in Jena an, drei Tage danach der Liga-Alltag. Der zweite Tabellenplatz ist zwar gesichert, doch die Saisonziele waren klar: Titel Nummer vier in der Champions League. Popp wollte „endlich wieder ein Finale auf deutschem Boden“ spielen, wie sie im Februar sagte. Nun hängt ihre Zukunft an zwei Parametern: wie weit Wolfsburg ohne sie kommt – und wie schnell sich ihre Muskelfaser schließt. Die medizinische Abteilung gibt sich optimistisch, Interne sprechen von vier Wochen. Das würde ein mögliches Halbfinale gerade noch erlauben, wenn die Wölfinnen die Sensation schaffen.
Und dann ist da noch der PSG-Poker. Popp wechselt im Sommer zu Borussia Dortmund, der Regionalligist plant den Aufstieg in die Bundesliga. In der Champions League wird der BVB aber frühestens 2027 dabei sein, wenn alles perfekt läuft. Für Popp wäre das ein Spätnachmittag, nicht mehr die Primetime ihres Lebens. Die Verletzung könnte ihre europäische Laufbahn also nicht nur unterbrechen, sondern beenden. Das wäre ein Ende, wie es das Skript nicht vorsah: nicht mit einem Foulschrecken, sondern mit einem harmlosen Sprint in Sinsheim.
Wolfsburg muss nun zeigen, dass der Kader mehr kann als Popp-Logik. Die letzte Partie ohne sie: 0:2 in Barcelona. Die letzte Knaller-Leistung ohne sie: 4:1 gegen Chelsea – allerdings vor eigenem Publikum. In der Arena droht am Dienstag ein Déjà-vu, diesmal in Wolfsburg. Die Fans haben 25 000 Tickets gelöst, die Choreografie steht, die Fahnen sind schwarz-grün geschnürt. Die Frage ist nur: wer führt das Team aufs Feld, wenn die langjährige Kapitänin fehlt? Die Antwort lautet: Svenja Huth. Doch selbst sie weiß: Popp kann man nicht ersetzen, nur auffangen. Und das ist ein Unterschied, der in der Champions League zwischen Viertel- und Halbfinale liegen kann.
Der Countdown läuft. 48 Stunden bis zum Anpfiff, 48 Stunden voller Selbstgespräche im Wolfsburger Leistungszentrum. Popp sitzt im Fitnessraum, die Fernsehgeräte zeigen Lyon-Taktik, sie selbst trägt statt Schuhen Kompressionsstrümpfe. Draußen tobt die Liga, drinnen tickt die Uhr. Wer schlägt sich durch, wenn die Anführerin fehlt? Die Antwort wird Dienstagabend fallen – und sie wird über Popps sportliches Schicksal entscheiden.
