Böller-attacke stoppt topspiel: schiri-ass kippt um, ahlen-fans randalieren
Ein Kracher war’s, der am Sonntag nicht das Netz zitterte, sondern die Westfalen-Oberliga erschütterte. Rot-Weiss Ahlengegen SG Wattenscheid 09 galt als das glamouröseste Fünftliga-Duell des Wochenendes – bis in der 67. Minute ein Böller neben Keeper Lukas van Ingen detonierte und in der Nachspielzeit ein zweiter die Gesundheit von Linienrichter Lukas Jelis gefährdete. Schiedsrichter Niklas Simpson warf die Karten in den Wind und brach das Spiel beim 1:3 ab.
Die eskalationskaskade im wersestadion
Die erste Explosion jagte van Ingen zu Boden, die zweite ließ Jelis mit Ohrensausen und Kreislaufproblemen straucheln. Erste Hilfe auf dem Rasen, dann die zweite Kabinenpflicht für beide Teams. Die Bilder zeigen den Assistenten, wie er sich am Spielfeldrand übergeben muss – ein Moment, der selbst im Amateurfußball selten ist. Die Polizei spricht von Landfriedensbruch, drei Festnahmen in der Nähe des Bahnhofs Ahlen – es handelte sich um Anhänger des niederländischen Klubs PEC Zwolle, mit denen die RWA-Ultra-Szene verbunden ist.
Die Nachspielzeit wurde zur Randalezeit. Etwa 50 RWA-Fans drangen in den Innenraum ein, warfen Flaschen und Pyrotechnik auf die Einsatzkräfte. Ein Beamter erlitt eine Prellung am Unterarm, ein weiterer musste wegen Reizgas behandelt werden. Die Wattenscheider Spieler feierten unterdessen in der Kabine ein „+3“ auf Instagram – ein klarer Verweis auf die Punkte, die ihnen wahrscheinlich zugesprochen werden.

Wattenscheid droht ahlen mit punktabzug
Das Sportgericht des Westfälischen Fußballverbandes muss nun entscheiden, ob das 1:3 per Amtsrichter fixiert oder ob Ahlen wegen der eigenen Fan-Exzesse mit einem Punktabzug bestraft wird. Präzedenzfall: Im Oktober 2022 wurde Preußen Münster nach Böllerwürfen gegen Dortmund II ein Punkt abgezogen. Ahlen-Sportvorstand Markus Kroll kündigte „umgehende interne Konsequenzen“ an, betonte aber auch: „Wir werden die Bilder analysieren, klar ist: Pyrotechnik ist kein Kavaliersdelikt.“
Die Liga leidet unter dem Imageschaden. Die Oberliga Westfalen hatte erst im Sommer ihre Sicherheitskonferenz abgehalten, um genau solche Szenarien zu verhindern. Nun steht sie wieder da: mit verschwundenem Fairplay, mit verletztem Schiri-Ass und mit der Frage, ob das klassische Stadionerlebnis zwischen zwei Traditionsklubs künftig nur noch unter massivem Polizeiaufgebot möglich ist.
