Popp bricht in tränen aus: nach 14 jahren verlässt wolfsburgs herz die bühne

Ein Video, eine Träne, ein Kapitel. Alex Popp sagt dem VfL Wolfsburg Lebewohl – und lässt dabei selbst harte Kerle im Nirgendland der Gefühle zurück.

Instagram-post lässt fans innerhalb von minuten schluchzen

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5:36 Uhr Ortszeit. Noch schläft die Autostadt, doch auf dem Handy von 167 000 Followern explodiert die Timeline. „Danke, dass ich sein durfte, wer ich bin“, flüstert Popp in die Kamera. Dann bricht ihre Stimke weg. 14 Jahre, 362 Spiele, fünf Cupsiege – und jetzt: ein Schnitt, der wehtut. Die Kommentarspalte gleicht einem Trauerzimmer: „Mein Herz ist ein Luftballon mit Löchern“, schreibt ein User. „Ich kann nicht mehr“, antwortet der nächste. Die Zahlen sind eindeutig: Innerhalb von 90 Minuten über 100 000 Aufrufe, Tendenz steil.

Lo que nadie cuenta ist das Kleingedruckte. Popp hatte dem Klub vor Jahresfrist schon einmal den Rücken gekehrt – intern. Die Führung schob ein Angebot über 1,2 Millionen Euro Jahresgehalt quer, wollte sie zur Identifikationsfigur umbauen. Popp dankte, zog sich zurück, zog sich aus. „Ich spüre, dass mein Körper zwar noch kann, mein Kopf schon längst woanders tanzt“, sagt sie im Video. Das ist kein Abschied, das ist eine Selbstbefreiung.

Was heißt das für den VfL? Trainer Tommy Stroot muss seine Doppel-Sechs neu erfinden. Mit Lena Oberdorf liegt ein Phänom vor, aber keine Popp. Die Chemie, die aus Schweiß und Schmollmund entstand, lässt sich nicht einfach ersetzen. Sportchef Ralf Kellermann spricht von „einer Leerstelle, die wir erst einmal verstehen müssen“. Die Fans sprechen von einem Loch, das größer ist der Elfmeterkreis.

Der DFB reagiert sofort. Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg plant ein Testimonial-Format: Popp als mentale Kriegernuss für Jung-Nationalspielerinnen. „Ihre DNA gehört nicht einem Verein, sie gehört dem deutschen Fußball“, sagt Voss-Tecklenburg. Der Verband bucht sie für drei Tage nach Frankfurt, zahlt ein Honorar, das einem Bundesligaprofi entspricht. Die Message: Legenden sterben nie, sie wechseln nur die Front.

Am Montag trainiert Popp noch einmal mit der Mannschaft. Keine Show, keine Presse. Nur ein Rundgang, Handschläge, ein Blick in die Kabine. „Ich nehme nichts mit, außer den Geruch von Gras und Benzin“, sagt sie. Dann steigt sie in ihren weißen Mini, lässt das Stadion im Rückspiegel schrumpfen. Wolfsburg verliert mehr als eine Kapitänin – es verliert das Herz, das bislang lauter schlug als der Motor.