Silberrausch und tränen: deutsche staffel jubelt, mixed-team verpasst podest

Die Ampel fiel, die Spur glühte – und Marco Maier jagte mit nur einem Stock über die 2,5-Kilometer-Runde, als wäre nichts. 5,4 Sekunden fehlten am Ende auf Gold, doch das deutsche Quartett der offenen Langlauf-Staffel schrie sich trotzdem die Seele aus dem Leib: Silber in Tesero, nach acht Jahren endlich wieder eine Staffel-Medaille für den DBS. Die Bilder gingen um die Welt: Theo Bold mit Guide Jakob, Linn Kazmaier mit Florian Baumann, Sebastian Marburger – alle stürmten nach dem Ziel aufeinander zu, fielen sich in die Arme, ließen die Tränen laufen.

Die andere seite des tages: mixed-team kratzt an der träne

Keine 60 Minuten später die Kehrseite. Anja Wicker stemmte die Skistöcke in den Schnee, presste die Lippen aufeinander, konnte den Frust kaum schlucken. Platz vier. 46,2 Sekunden Rückstand auf die USA. „Wir sind super enttäuscht“, sagte sie und blickte auf die Strecke, auf der Nico Messinger, Leonie Walter, Lennart Volkert und sie selbst Sekunde um Sekunde verloren hatten. Das Podest war greifbar nah, doch die Ukraine zog in der zweiten Runde davon, China im Windschatten. Es blieb nur der kalte vierte Rang.

Die Zahlen sind gnadenlos: Dreimal Silber, einmal Bronze – das ist die Bilanz der deutschen Langläufer bei diesen Spielen. Eine Medaille mehr als vor vier Jahren in Peking, aber eben auch eine Geschichte von fast und doch nicht. Dabei lief alles nach Plan, bis zum letzten Wechsel. Dann kam Maier, der wegen verkürzter Finger nur mit einem Stock läuft, und musste die Führung an China abgeben. Die Sportpsychologen nennen das „Choking under pressure“. Auf der Tribüne hielt selbst ZDF-Kommentator Marc Windgassen kurz den Atem an.

Fahnenträgerin mit revanche-plan

Fahnenträgerin mit revanche-plan

Während die Langläufer noch nach Luft schnappten, stand bereits fest: Andrea Rothfuss trägt die deutsche Fahne in Cortina. Die alpine Skirennläuferin, die sich selbst „Rothfuß“ nennen lässt, will im Slalom nachlegen. Nach Platz neun im ersten Lauf fehlen ihr 4,5 Sekunden auf Spitzenreiterin Ebba Ärsjo – ein Berg, aber kein Everest. Anna-Maria Rieder schielt ebenfalls aufs Podest, Maya Fügenschuh ist mit 17 Jahren die jüngste deutsche Hoffnung. Die Schwedin Ärsjo dominiert wie einst Vonn, doch im Slalom kann eine einzine Torfehlentscheidung alles umwerfen.

Die Uhr tickt. Am Sonntag ist Schluss. Wer dann noch ohne Metall dasteht, muss vier Jahre warten. Die Athleten wissen das. Deshalb sind die Tränen nach dem Mixed-Rennen so bitter – und deshalb klang das Silber der offenen Staffel wie ein Kanonenschlag durch das Val di Fiemme. Die Spiele in Italien sind ein Spiegel der Gefühle: Triumph und Trübsal liegen hier nur eine Spur voneinander getrennt. Und manchmal reichen 5,4 Sekunden, um das eine vom anderen zu trennen.