Poms zurück im ausland: tychy ruft, abstiegsangst droht
Rene Poms packt wieder den Koffer. Der 50-jährige Steirer übernimmt GKS Tychy, Tabellen-14. der polnischen I Liga, unterschreibt bis Saisonende – und landet mitten im Relegationschaos.
Polen, acht spiel, zwei remis – piszczek war ratlos
Lukasz Piszczek war am Vormittag freigestellt worden. Unter dem Ex-BVB-Profi holte Tychie in acht Partien zwei magere Unentschieden, kassierte fünf Niederlagen. Die Fans pfiffen, die Verantwortlichen rechneten: nur 17 Punkte aus 19 Spielen, Torverhältnis 18:29. Die Lage ist längst nicht mehr nur brisant, sie ist existenziell.
Poms kennt das. 2024/05 führte er den angeschlagenen GAK zurück in die Erfolgsspur, musste sich dann trotzdem verabschieden, weil Ferdinand Feldhofer die Qualigruppe übernahm und den Klassenerhalt sicherte. Ein halbes Jahr später klingelt das Telefon in Leoben – diesmal aus Polen.

Tychy bietet keine rettung, sondern eine arena voller erwartung
Der Verein hängt seit 2016 in der zweiten Etage fest, stellt mit Julian Keiblinger einen Österreicher, der einst in St. Pölten das Mittelfeld lenkte. Die sportliche Identität? Eine Ansammlung von Hoffnungsträgern und Altlasten. Der letzte große Erfolg datiert aus dem Jahr 1976 – Vizemeister hinter Legia Warschau. Seitdem schwelgt man in Erinnerungen, statt Zukunft zu bauen.
Poms bringt Erfahrung aus Kroatien und Griechenland mit, spricht fließend Serbo-Kroatisch, hat in Poznan als Co-Trainer mit Nenad Bjelica gearbeitet. Die Sprache ist kein Hindernis, die Kultur schon eher: Tychy ist Industriestadt, Kohlegeruch und Bierduschen, keine Wellness-Oase.

Die uhr tickt – neun spiele, ein ziel
Bis Saisonende bleiben neun Spieltage. Der Rückstand auf das rettende Ufer: vier Punkte. Die Statistik lügt nicht: Wer nach 19 Spieltagen unter dem Strich steht, landet in 73 Prozent der Fälle tatsächlich in der dritten Liga. Poms muss also schnell liefern, sonst wird er zur Fußnote in der Klubhistorie.
Sein Credo: „Kein Groll“ – gegen den GAK, gegen Feldhofer, gegen das Schicksal. Er will nach vorne schauen, nicht zurück. Die Frage ist nicht, ob er kann, sondern ob er darf. Tychy ist kein Entwicklungsprojekt, sondern ein Notfall. Da zählt kein Projekt, nur Punkte.
Am Sonntag empfängt Tychy Podbeskidzie Bielsko-Biała, direkter Konkurrent im Keller. Schon da wird klar: Poms sitzt nicht auf der Bank, weil er ein guter Redner ist, sondern weil er eine Mannschaft retten soll, die sich selbst verloren hat. Der Countdown läuft. Die Schlesier warten seit 49 Jahren auf ein Happy End. Poms hat zwölf Wochen Zeit.
