Pokalfinale-nominierung: nagelsmann-entscheidung vor chaos?
München – Der Termin der deutschen Nationalmannschafts-Nominierung für die Weltmeisterschaft kurz vor dem Pokalfinale zwischen Bayern und Stuttgart sorgt für heftige Kritik. Lothar Matthäus und Philipp Lahm, zwei prägende Figuren des deutschen Fußballs, äußern deutliche Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Spieler.
Psychologische belastung für wm-hoffnungen
„Wie kann man die Nominierung zwei Tage vor dem Pokalfinale machen, wo ich sicher zwei, drei Spielern wehtun muss, die sich Hoffnungen auf die WM machen?“, fragte Matthäus im Sport Bild. Die Situation ist besonders brisant, da zahlreiche Stammspieler von Bayern und Stuttgart im Kader der Nationalmannschaft stehen. Es ist gut möglich, dass Julian Nagelsmann allen Kandidaten aus den beiden Finalisten ein Ticket für die WM ausstellt, doch die Alternativmöglichkeit, dass enttäuschte Spieler unmittelbar danach im Pokalfinale auf dem Platz stehen müssen, wirft ethische Fragen auf.
Lahm stimmte Matthäus zu und betonte, dass diese Situation eine erhebliche psychologische Belastung für die betroffenen Spieler darstellen könne. „Jetzt kann man sagen, wir sind Profis. Aber es macht ja trotzdem was mit den Spielern“, so der ehemalige Kapitän.

Neuer, musiala und die wackelkandidaten
Am Donnerstag um 13:00 Uhr wird Bundestrainer Nagelsmann seinen 26-köpfigen Kader bekannt geben. Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka und Jamal Musiala aus München haben ihre WM-Teilnahme bereits sicher, ebenso der junge Lennart Karl. Über eine mögliche Rückkehr von Manuel Neuer wird aktuell diskutiert, während Jonas Urbig als sein Vertreter hoffen darf. Tom Bischof könnte eine Überraschung schaffen. Serge Gnabry fällt hingegen aufgrund einer Verletzung aus.
Beim VfB Stuttgart gibt es eine Reihe von Spielern, deren WM-Teilnahme ungewiss ist. Alexander Nübel, Maximilian Mittelstädt, Josha Vagnoman, Angelo Stiller, Chris Führich und Jamie Leweling müssen sich noch beweisen. Deniz Undav hingegen kann mit dem Turnier planen.

Ein chronisches problem der terminierung
Matthäus kritisierte zudem die wiederkehrende Problematik bei der Terminierung von Nationalmannschaftsspielen und Pokalendspielen. „Stuttgart hat schon in der Vergangenheit in der Europa League Probleme gehabt, weil immer donnerstagmorgens oder mittags der Kader benannt worden ist. Und abends musste Stuttgart dann gegen Porto spielen oder musste sich qualifizieren in irgendeiner Runde“, erklärte der Rekordnationalspieler. Er plädierte für eine Anpassung der Terminplanung an die Spielpläne der Vereine und schlug vor, die Nominierung beispielsweise am Tag nach dem Pokalfinale vorzunehmen.
Die Entscheidung des DFB, die Nominierung so kurz vor dem Pokalfinale festzulegen, wirft ein schlechtes Licht auf die Berücksichtigung der Spielerwohlbefinden und der Interessen der Vereine. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Terminierung auf die Leistung der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada auswirken wird.
