Pogacar zieht davon, lipowitz bleibt als einziger dran – das duell der superlative
42 Sekunden. So viel fehlten Florian Lipowitz am Ende der Tour de Romandie auf Tadej Pogacar – und so viel fehlten dem Rest des Feldes auf den Deutschen. Die Schweizer Rundfahrt wurde zur Ein-Mann-Show des Slowenen, doch der 22-jährige Oberbayer lieferte sich mit ihm ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das selbst eingefleischte Montage-Experten aufhorchen ließ.
Pogacar spielt poker, lipowitz zieht nach
Auf der rauschenden Bergankunft in Leysin schaltete Pogacar drei Kilometer vor dem Ziel einen Gang höher. Lipowitz reagierte sofort, sprang auf das Hinterrad des Gelbträgers und halte sich vorerst fest. „Florian attackiert zuerst, er hat einen guten Job gemacht“, lobte Pogacar später – ein Satz, der im Radsport so selten ist wie ein Regenfreier Tag in Flandern. Doch der slowenische Quäler ließ keine Gnade walten: Im letzten Kilometer zog er erneut an, diesmal blieb Lipowitz drei Sekunden zurück. Rang zwei – und damit das beste deutsche Ergebnis bei der Romandie seit 1997.
Die Zahl 42 mag sich nach Niederlage anhören, sie ist in Wahrheit ein Sieg. Denn hinter Lipowitz brach die Welt zusammen: Primoz Roglic verlor sieben Sekunden, der Rest des Klassements über zwei Minuten. Der Bayern-Adler war der einzige, der Pogacars Wucht mit eigenem Tempo beantworten konnte – ein Lehrstück in Bergfahrphysik.

Lipowitz’ blick richtet sich bereits auf die tour
„Wenn wir weiter so arbeiten, dann läuft das“, sagte Lipowitz nach dem Ziel im ZDF. Kein Jammern, kein Schulterzucken – nur pure Zuversicht. Die Formkurve zeigt steil nach oben, und das, obwohl er vor einem Jahr noch als Helfer für Roglic startete. Nun fährt er sich selbst ins Rampenlicht. Teamchef Ralph Denk dürste die Planung für die Tour de France neu: Mit Lipowitz besitzt Deutschland erstmals seit Jan Ullrich wieder einen Kapitän, der vorne mitmischen darf.
Pogacar selbst zeigte sich beeindruckt: „Er hat sehr früh attackiert. Es war ein harter Kampf bis zur Ziellinie.“ Wenn der Mann, der schon alle Monumente gewonnen hat, solche Worte findet, dann ist das kein Hoffnungsschimmer – das ist ein Leuchtfeuer.
Die Romandie endet mit Gelb für Pogacar und Silber für Lipowitz. Doch die Botschaft ist klar: Das nächste Kapitel der Radsport-Geschichte wird nicht nur in Slowenisch geschrieben. Die deutsche Version liegt bereits im Druck.
