Pogacar, van der poel, van aert – das duell aller duelle in sanremo
Sieben Stunden, 298 Kilometer, drei Capi, Cipressa, Poggio – und ein Startfeld, das sich in dieser Form seit Jahren nicht mehr blicken ließ. Am Samstag rollt der 117. Mailand–Sanremo mit Tadej Pogacar, Mathieu van der Poel und Wout van Aert aus. Drei Superstars, ein Ziel: den ersten Schlag im Monument-Kampf 2026.
Die startliste liest sich wie ein who-is-who der radszene
Red Bull-Bora-hansgrohe um Pogacar hat sich noch bedeckt, doch die Gerüchteküche brodelt: Brandon McNulty und Felix Großschartner sollen ihn in den letzten 70 Kilometern sicher durch die Höllenfahrt der Ligurischen Küste bugsieren. Lidl-Trek setzt auf Mads Pedersen, der nach seiner Frühjahrspause überraschend doch in Pavia erscheint. „Ich fühle mich frisch, die Beine sprechen eine klare Sprache“, sagte der Däne gestern Abend im Hotel San Domenico – ein Satz, der bei seinen Rivalen Alarm schlägt.
Hinter den Top-Favoriten lauern die Tempospezialisten: Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) will die 300-Kilometer-Flucht in einen Sprint verwandeln, Bryan Coquard (Cofidis) hat sich extra zwei Wochen auf Mallorca eingemauert, um den Poggio-Steilhang noch einmal zwei Sekunden schneller zu bezwingen. Und dann ist da noch Filippo Ganna, der die Cipressa als Zeitfahrer interpretieren könnte.

Die strecke bleibt klassisch – die taktik wird neu erfunden
Die Neuigkeit steckt im Detail: 2026 führt der Weg erstmals seit 2019 wieder über die Via Roma, was Sprintern den letzten Bogen zum Meer raubt. Die finale Rechtskurve nach 295 Kilometern wird enger, die letzten 250 Meter steiler – ein Mini-Berg, der Entscheidungen auf die Schulterbahn drückt. „Wer da noch in den Wind pfeift, verliert“, sagt Michal Kwiatkowski, 2015-Sieger und heute Ineos-Kapitän. Sein Plan: Cipressa-Attacke, 55 Sekunden Vorsprung, Poggio-Gruppo davonjagen.
Die Teams haben reagiert. Groupama-FDJ schickt Romain Grégoire als Frühjahrsmann, UAE setzt auf Isaac del Toro als Hüter des Favoriten. Lotto-Intermarché vertraut auf Georg Zimmermann, der in Tirreno-Adriatico bereits zweimal die Spitzengruppe dominierte. Die Logik: wer früher angreift, verbraucht Pogacars Mannschaft. Die Realität: auf dem Poggio zählt nur noch die reine Watt-Zahl.

Die große unbekannte heißt wetter
Meteo Liguria prophezeit 14 Grad, Regenwahrscheinlichkeit 70 Prozent, Wind aus Südwest – exakt entgegen der Küstenlinie. Das bedeutet: 70 Kilometer Seitenwind vor Genua, ein Sprengsatz, der das Feld in Fetzen reißen kann. „Bei Nässe wird die Cipressa zur Eisbahn“, warnt Damiano Caruso, dessen Bahrain-Victorious-Team extra breite 28-Millimeter-Reifen testete. Die Fahrer nennen das „la roulette“ – das Rad, das am Meer tanzen muss.
Die Buchmacher sehen Pogacar bei 2,8, Van der Poel bei 4,5, Van Aert bei 6,0 – Quoten, die sich verschieben, sobald die ersten Regentropfen auf dem Asphalt explodieren. Die Wahrheit: kein Algorithmus kann berechnen, wie sich 180 Herzen nach sechs Stunden Vollgas verhalten, wenn der Poggio sich auftürmt wie eine Wand aus Marmor.
Die uhr tickt, die maschinen rollen
09:45 Uhr Ortszeit geht’s los in Pavia. Die ersten Livebilder kommen über HBO Max, Eurosport überträgt ab 13:30 Uhr, das Ziel auf der Via Roma ist für 16:40 Uhr terminiert. Dazwischen liegen 298 Kilometer, drei Capi, zwei Anstiege – und ein Favoriten-Trio, das sich endlich die Frage beantworten will: wer ist der König der Monumente?
Die Antwort bekommt Sanremo – und die sieht verdammt nach Blut, Schweiß und Pogacar aus.
