Podolski fliegt nach 120 sekunden: faustschlag statt feierabend

Lukas Podolski hatte sich auf einen Applaus verdient, bekam stattdessen Rot. 120 Sekunden nach seiner Einwechslung für Górnik Zabrze gegen Rakow Częstochowa schickte Schiedsrichter Daniel Stefański den 40-Jährigen mit direktem Rot vor die Kabine – wegen eines Handschellen-Hiebs ins Gesicht von Michael Ameyaw.

Die Szene war so schnell wie absurd. Nach einem hohen Ball landet Ameyaws Schulter an Podolskis Kinn, der Weltmeister von 2014 geht zu Boden. Sekunden später streift der Ghanaer an ihm vorbei, berührt ihn halb entschuldigend an der Hüfte. Podolski antwortet mit einer links-backenden Hand – Treffer, Mitspieler eilen herbei, Ameyaw fällt theatralisch. Karte: Rot. Die 24. in Podolskis Profilaufbahn, die erste seit 2010.

Warum ein faustschlag in der nachspielzeit plötzlich alles überschattet

Die Wucht liegt im Timing. Górnik führt 3:1, die Uhr steht auf 90.+2, die Mehrheit der 20 113 Zuschauer in Zabrze jubelt bereits. Dann der Knall. Podolskis Schlag ist keine Aktion aus Reflex, sondern eine bewusste Antwort auf ein Stolpermanöver. TV-Bilder zeigen, wie sich Podolskis Handgelenk anspannt, bevor sie Ameyaws Wangenknochen trifft. Kein Armband-Verdreher, keine Rudelbildung kann das kaschieren.

Für Górnik ist der Vorfall ein Imageschaden. Der Klub hatte Podolski 2021 als Aushängeschild verpflichtet, um die Marke „Górnik“ im deutschsprachigen Raum zu ölen. 23 Tore in 112 Ekstraklasa-Einsätzen, dazu ein Community-Programm für ukrainische Flüchtlinge – das passt nicht zur Prügel-Szene. Sportdirektor Pavel Sikorski sprach nach Abpfiff von „einem einzigen blackout“ und kündigte interne Gespräche an.

Podolski selbst schwieg in der Mischzone, postete aber später auf Instagram ein Foto von der Uhr, die 90.+4 anzeigt – dazu das Wort „verrückt“. Laut polnischen Medien droht ihm nunmehr eine Sperre von mindestens drei Spielen. Sein Vertrag läuft ohnehin im Sommer aus. Der Kreis schließt sich: 2004 debütierte er für Köln mit einem Tor, 2026 beendet er vielleicht mit einem Handschellen.

Die zahlen, die bleiben

Die zahlen, die bleiben

3 – so viele Platzverweise hat Podolski in 22 Jahren Profifußball kassiert.
0 – so viele Ekstraklasa-Tore fallen in dieser Saison, wenn er nach der 75. Minute kommt.
112 – Ligaspiele für Górnik, ein Rekord unter deutschen Legionären im polnischen Oberhaus.

Die Karriere des „Prinzen“ endet nicht mit einem goldenen Schuh, sondern mit einem roten Karton. Manchmal ist der Sport ein Spiegel, der die eigene Dramatik schärfer zeigt als jedes Glanzlicht.