Pistolengeknall in tunis: schiri issa sy sorgt für sprengstoff im netz

Der Pfiff war kaum verklungen, da hatte Twitter schon einen neuen Helden: Issa Sy, 31, pfeift Espérance Tunis gegen Al-Ahly 2:2, legt die Hand an den Mund und feuert ein imaginäres Salut in die Nacht – „Wie eine Wildwest-Knarre“, kommentiert ein Fan, und binnen Minuten kursiert das Zitat durch alle Zeitungs-Apps zwischen Kairo und Dakar.

Warum ein einzelner referee plötzlich mehr klicks kassiert als haaland

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Der Clip ist 14 Sekunden lang, shot aus dem Stadiondach, Ton off, nur das Brummen von 60 000 Kehlen. Sy steht allein im Mittelkreis, die Spieler joggen bereits in den Tunnel. Dann kommt die Geste: Daumen hoch, Handkante ans Kinn, ein lautloser Pistolen-Schuss in Richtung Tribüne. Die Antwort ist ein Tsunami aus Memes. Einer montiert Sy in den Sattel von John Wayne, der nächste lässt ihn neben Clint Eastwood das Foul an der Saloon-Theke besprechen.

Für die CAF ein Albtraum. Denn Sy steht für die professionellste Schiedsrichter-Generation, die Afrika je hervorgebracht hat – Video-Assistent, Fitness-Coach, Datenanalyst. Und jetzt wird er zum Cowboy verklärt. Die Botschaft: Selbst die Kontrolleure wollen unterhalten.

Der Hintergrund ist ein klassisches Machtspiel. Espérance hatte in der 94. Minute den Ausgleich erzielt, Al-Ahly protestierte wegen angeblicher Abseitsstellung. Sy ließ den Treffer zählen, ging mit erhobenem Kopf vom Platz – und lieferte damit die perfekte Projektionsfläche für ein Kontinent, der sich nach Fairness sehnt und sie selten bekommt.

Die Zahlen lügen nicht: Das Hashtag #IssaSyverzeichnete binnen zwei Stunden 1,8 Millionen Interaktionen. Das Rückspiel in Kairo wird am 8. April ausgetragen, aber die Debatte ist längst größer als Fußball. Es geht um Selbstinszenierung in Zeiten von TikTok, um die Frage, ob Autorität noch lässig sein darf.

Issa Sy selbst schweigt. Seine Whatsapp-Statusmeldung besteht aus drei Emojis: eine Kaktus-Pflanze, ein lachendes Gesicht, ein Händedruck. Mehr braucht er nicht. Der Mann hat verstanden, dass Moderne auch bedeutet, sich selbst zur Marke zu machen – bevor es andere für einen tun.