Ball gegen stromleitung: horror-schuss entzündet lichtshow über amateurplatz

Ein Schuss, ein Knall, ein Feuerwerk – und das mitten im Niemandsland der Amateur-Liga von Curitiba. Der Oster City kassiert beim 0:3 gegen den Inove FC nicht nur Tore, sondern auch einen Blitz aus Kupfer und Stahl.

Die Szene passiert in der 39. Spielminute. Der Stürmer zieht aus 25 Metern ab, der Ball segelt haarscharf über die Latte, touchiert die Hochspannungsleitung hinter dem Tor und zündet eine Kaskade aus Funken, die das halbe Gelände erhellt. Zuschauer schreien, Schiedsrichter pfeifen ab, Spieler stolpern vor Staunen. Das Video, aufgenommen mit einem Handy von der Tribüne, jagt seit Stunden durch brasilianische WhatsApp-Gruppen und sammelt Millionen von Klicks.

Warum so ein fehler möglich war

Warum so ein fehler möglich war

Die Platzwächter von Oster City wollten den Rasen vor der Partie eigentlich nur ein bisschen größer machen. Also haben sie die Tore ein paar Meter weiter Richtung Zaun gerückt – direkt unter die 15.000-Volt-Leitung, die das Industriegebiet mit Strom versorgt. „Wir dachten, der Ball fliegt sowieso nie so hoch“, sagt Co-Trainer Marcio Silva nach dem Spiel, während hinter ihm die Brandschutzbeamten ihre Messgeräte auspacken. Die Behörde von Paraná kündigt sofort eine Liga-Untersuchung an. Das Ergebnis: Der Verein bekommt eine Geldstrafe von umgerechnet 3.800 Euro und muss die nächsten drei Heimspiele auf neutralem Platz austragen.

Für den Torwart war der Moment trotzdem pure Magie. „Ich habe nur den Ball kommen sehen, dann das Zischen und plötzlich leuchtet der ganze Himmel“, sagt Guilherme, 22, der gerade seinen zweiten Einsatz für die Zweitvertretung hatte. „Ich dachte, das war’s mit meiner Karriere – stattdessen bin ich jetzt im Fernsehen.“

Der Inove FC nutzt die Pause nach dem Unterbruch, um das 4:0 nachzulegen, doch keiner redet mehr über Tore. Die Spieler posieren nach Abpfiff unter der dunklen Leitung, schwenzen ihre Handys und filmen sich gegenseitig. Der Klub-Präsident postet innerhalb von Minuten ein Statement: „Wir fordern bessere Sicherheitsstandards für Amateurplätze im ganzen Land – sonst endet das nächste Mal in einer Tragödie.“

Lo que nadie cuenta ist, dass die Stromgesellschaft CPFL gleich am Montag Techniker losschickt, um Isolatoren zu montieren. Die Kosten? Rund 12.000 Real, bezahlt aus der Katastrophenkasse des Landes. Die Amateure von Oster City müssen bis zur Rückrunde auf ihre Heimspiele verzichten, trainieren jetzt auf einem Ascheplatz neben der Fabrik. Dort fliegt der Ball zwar nicht so hoch, aber die Jungs schießen trotzdem weiter drauf – diesmal mit einem provisorischen Netz aus alten Fischernetzen, das sie sich von den Hafenarbeiten geborgt haben.

Die Liga winkt ab, die Fans feiern ihren neuen Mythos. Und der Schütze? Er hat sich einen neuen Spitznamen verdient: „Rayo“, der Blitz. Seine Mutter stickt das Wort schon auf das nächste Trikot. Denn wenn der Ball einmal den Himmel berührt, will man ihn wieder sehen – am besten ohne Strom und ohne Funken, dafür mit dem Geräusch von Netz statt Knall.