Pirovano räumt die kvitfjell-abfahrt ab und entreißt shiffrin die kristallkugel
Laura Pirovano schlug drei Mal auf. Dann war die Abfahrtskugel weg vom Schreibtisch der Favoritinnen und landete in ihrem Ski-Trolley. Die 28-jährige Italienerin feierte am Samstag in Kvitfjell ihren dritten Weltcup-Sieg in Serie – und damit den Coup gegen die etablierte Königsscheibe Mikaela Shiffrin.
0,15 Sekunden hinter Pirovano rauschte Breezy Johnson ins Ziel, US-Olympiasiegerin, aber diesmal ohne Gold-Glanz. Kira Weidle-Winkelmann (+0,25) komplettierte das Podest. Die deutsche Fraktion jubelte trotzdem: Emma Aicher wurde Fünfte und hält Shiffrin mit 95 Punkten Rückstand vor den letzten drei Rennen weiterhin auf Trab.

Rädler verpasst das podest um die länge eines skispitzen-atoms
Ariane Rädler atmete tief durch, als die Leuchttafel 0,04 Sekunden anzeigte. Vierte. Kein Küsschen für die Kameras, kein Blumenstrauß. Die Vorarlbergerin hatte in der Zielkurve noch einmal alles rausgeholt, aber die Zeitlücke blieb hart wie Norwegen-Eis. „Vier Hundertstel sind ein Seufzer im Wind“, sagte sie später trocken.
Cornelia Hütter, die heimliche Abfahrts-Kaiserin der Saison 2023/24, landete auf Rang sechs – ihr Weltcup-Traum diesmal ohne Krönung. Nina Ortlieb und Mirjam Puchner folgten auf den Plätzen zwölf und dreizehn, außerhalb der Punkteränge, aber mit dem Trost, dass die Saison endlich vorbei ist.
Pirovano selbst schien noch beim Zieleinlauf nicht zu begreifen, was sie da angerichtet hatte. Die Italienerin hatte vor zwei Wochen in Val di Fassa noch als Außenseiterin gegolten. Nun trägt sie die kleine Kristallkugel, die große ist noch in Reichweite – und Shiffrin muss um ihre Gesamtführung zittern.
Die Abfahrtswertung ist entschieden, die Gesamtwertung nicht. In drei Rennen wird die Kugel neu verteilt. Aicher liegt 95 Punkte zurück, ein Berg, aber kein Everest. Und Pirovano? Die fliegt morgen schon wieder nach Hause – mit dem Gepäckband voller Kristall.
