Piplica: vom kult-torwart zum raab-gast – eine legendäre fehlentscheidung
Tomislav Piplica, ein Name, der in Fußballkreisen für lachende und schimpfende Gesichter gleichermaßen steht, feiert heute seinen 57. Geburtstag. Der frühere Torhüter von Energie Cottbus, der 248 Mal das Tor der Lausitzer hütete, ist unvergessen – nicht zuletzt wegen eines Eigentors, das Bundesliga-Geschichte schrieb und ihn weit über den Sport hinaus bekannt machte.
Ein moment der schande, der zu ruhm führte
Es war der 6. April 2002, einen Tag nach seinem 33. Geburtstag, als Piplica einen Eintrag in die Annalen des Fußballs schaffte, den er sich vermutlich anders vorgestellt hatte. In einem brisanten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach führte Energie Cottbus mit 3:2. Der Klassenerhalt schien zum Greifen nah, doch dann kam es dazu: Eine unglückliche, abgefälschte Bogenlampe von Marcel Witeczek prallte an Piplicas Hinterkopf und landete im eigenen Tor. Die Aufregung im Stadion der Freundschaft war greifbar, die Hoffnungen auf den Verbleib in der Bundesliga schienen im Bruchteil einer Sekunde zu zerbrechen.
Die Medien stürzten sich sofort auf die Geschichte. „Fast schon eine Geschichte für Stefan Raab“, kommentierte Witeczek den Vorfall damals. Und der TV-Moderator ließ nicht lange auf sich warten. Piplica, der unmittelbar nach dem Spielsprachlosigkeit ergriffen hatte, wurde in Raabs „TV total“-Show eingeladen. „Er hat immer wieder angerufen: ‚Tomislav, komm doch bitte in meine Show.‘ Ich habe erst abgesagt, aber er blieb sehr hartnäckig, bis ich sagte: ‚Ich komme, wenn du aufhörst zu fragen’“, erzählte Piplica später. Der Auftritt bescherte ihm den „Raab der Woche“ und katapultierte ihn ins Rampenlicht.
Piplica blickt heute mit Humor auf den Fauxpas zurück, auch wenn es damals unmittelbar danach schwergefallen sein mag. „Ich habe den Ball unterschätzt“, erklärte er rückblickend. „Ich habe unter der Latte gestanden und gedacht, dass der Ball rüber geht. Zu dieser Zeit war so viel Wind gewesen, und auf einmal hat der Ball meinen Hinterkopf getroffen.“

Von der peinlichkeit zum klassenerhalt
Die sportlichen Konsequenzen blieben jedoch überschaubar. Bereits eine Woche später sicherte sich Cottbus in einem 0:0-Unentschieden gegen den VfB Stuttgart den Klassenerhalt. Piplica, der sich dabei einen gebrochenen Finger zuzog, war sogar der beste Mann auf dem Platz. “Ich habe viele gute Spiele gemacht, bin zweimal mit diesem kleinen Verein aufgestiegen“, betont der Bosnier, der nun als Torwarttrainer beim Regionalligisten 1. FC Lokomotive Leipzig tätig ist. “Das macht mich stolz, und dieses Tor gehört auch dazu.”
Die Spekulationen über eine mögliche Manipulation trafen Piplica zwar schwer, doch er bewahrte seine innere Ruhe. „Ich kann jeden Morgen ins Bad gehen und in den Spiegel schauen, das ist das Wichtigste für mich“, so der ehemalige Schlussmann. Ein Eigentor, das ihn berühmt machte und seine Karriere nachhaltig prägte.
