Pick szeged vor dem kollaps: nur acht fitte profis, titel in gefahr
Die Nacht schmeckt nach Erbrechen. In Krisztian Karpatis Trainingshalle summt die Leuchtreklame, aber die Stimmen klingen wie aus einem leeren Stadion. Acht Spieler. Keine mehr. Und vor Pick Szeged lauert ein April, der alles versenken kann.
Seit Tagen rechnet der Co-Trainer mit jedem Muskel, der noch halbwegs funktioniert. Die Champions-League-Achterbahn ist vorbei, Platz sechs reicht für ein Play-off-Duell gegen Industria Kielce – ein los, das keiner will. Doch bevor die Kielce-Hyänas kommen, muss Szeged gegen sich selbst gewinnen.
Die verletztenliste liest sich wie ein kriegstagebuch
Sebastian Frimmel, der Rechtsaußen mit dem Katapultwurf, fällt aus. Magnus Röd, der norwegische Turbo-Linksaußen, ebenfalls. Bence Bánhidi, Kreisläufer und Abwehrchef, tappt mit einer Augenverletztung durch den Trainingsalltag. Comeback? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. In der Zwischenzeit stemmen sich acht Profis gegen den Zeitplan, gegen zwei Pflichtspiele pro Woche, gegen den eigenen Körper.
Die Statistik lügt nicht: In den letzten drei Ligapartien brach Szegeds Deckung in der Schlussphase ein, weil die Wechselbank leer ist. Fünf Punkte Rückstand auf Veszprém HC, der Serienmeister dahockt und wartet nur noch auf den Todesstoß. Der Pokal steht auch auf dem Spiel: 18. April, Halbfinale gegen genau diesen Veszprém. Wer da nicht die 60 Minuten vollmachen kann, fliegt. Und mit ihm jede Resthoffnung auf eine Trophäe in dieser Saison.

Michael apelgren fehlt, acht leistungsträger sind im ländereinsatz
Während Apelgren in Schweden die Nationalmannschaft coacht, fehlen ihm in Szeged acht Schlüsselspieler. Richard Bodo, Mate Fazekas, Mario Šoštarić, Marin Jelinić, Jim Gottfridsson, Janus Smárason, Imanol Garciandia, Lazar Kukić – alle weg, alle geschafft von Länderspielminuten. „Die gesunden Spieler sind überlastet, die Verletzten raus aus dem Rhythmus“, sagt Karpati und klingt dabei, als würde er einem Notarzt zuhören.
Die Konsequenz: Ein Kader, der sich auf Trainingseinheiten mit acht Feldspielern und zwei Torhütern reduziert. Keine Taktik-Automatismen, keine Intensität, keine Frische. Die Gefahr liegt nicht nur in Muskelkater, sondern in Kopfschläfen. Eine Mannschaft ohne Bank ist ein offenes Tor für Kielce, für Veszprém, für das eigene Selbstzweifeln.
Die Champions League? „Jeder kann jeden schlagen“, sagt Karpati. Klingt nach Motto, ist inzwischen Verzweiflung. Die Gruppenphase endete mit zwei Niederlagen im letzten Atemzug. Der sechste Platz war ein Schicksal, nicht eine Leistung. Jetzt droht das Aus gegen Kielce, das Team, das in der Vorrunde zweimal 30 Tore schoss und nur vier kassierte. Die polnischen Maschinen laufen auf Vollgas, während Szeged mit Reservebenzin fährt.

Die uhr tickt bis zum pokal-halbfinale
17 Tage noch. Dann stehen sich die beiden ungarischen Giganten in der Papp László Arena gegenüber. Veszprém hat Tiefe, Szeged nur noch Zahlen auf dem Papier. Die Wettbüros haben Szeged bereits als Außenseiter, die Fans machen sich auf Social Media Sorgen um einen Klassiker ohne Happy End. Die sportliche Führung schweigt, weil sie nichts versprechen kann.
Und wenn der Körper nicht mitspielt, hilft auch kein Videoanalyse-Monitor. Die Frage ist nicht mehr, ob Szeged die Saison noch retten kann, sondern wie viele Spieler am Ende überhaupt auf dem Feld stehen. Die Handball-Welt schaut auf Szeged – und sieht ein Team, das sich selbst auffrisst.
Die Saison ist nicht vorbei. Aber sie zittert. Und wenn am 18. April die Anpfiff-Sirene ertönt, entscheidet sich nicht nur über einen Pokal, sondern über die Zukunft eines ganzen Klubs. Pick Szeged muss gewinnen – oder sich selbst verlieren.
