Pfund nach debüt-debakel im single-mixed: „das war das geilste rennen meines lebens“

Leonhard Pfund fliegt als Erster über die Ziellinie, jubelt, bekommt keine Medaille – und trotzdem strahlt er Wochen später noch immer wie ein Kreuzfahrtheld. Der 22-jährige Bayer liefert die Antwort auf die Frage, warum der deutsche Biathlon trotz Winter-Flaute nicht komplett im Dunkeln versinkt.

Die Szenerie ist irre: 15.000 Fans in Nove Mesto, Lärmpegel wie in einem Fußballderby, Pfund und Marlene Fichtner sausen im Single-Mixed-Staffel-Finale den letzten Anstieg hoch, legen sich quer, sprinten, lassen die Konkurrenz stehen. Sekunden später die Disqualifikation – zu viel Material auf der Skispitze, Regelverstoß. Für andere wäre das ein Albtraum. Für Pfund ein Dopamin-Schub. „Ich würde das Rennen sofort wieder fahren, auch ohne Preisgeld. Dieses Adrenalin, dieses ‚Wir sind vorne‘ – das ist reiner Sportdrogenrausch“, sagt er im Gespräch mit der Sportschau.

Der aufstieg eines quereinsteigers, der plötzlich dauerhaft weltcup-punkte will

Noch vor zwölf Monaten war Pfund ein Namenszettel auf der IBU-Cup-Startliste. Dann der erste Sieg in Ridnaun, die Einladung in den Weltcup, Rang 13 im Einzel, Rang 15 im Massenstart – und plötzlich redet die Skijugend über den Oberbayer, der mit 16 Jahren noch lieber Fußball spulte als schießen ging. Der DSV, sonst geplagt von Staffelpatzern und verpassten Podestplätzen, atmet auf: endlich ein Leuchtfeuer, das nicht von der alten Garde kommt.

Philipp Nawrath schafft zwei Podestplätze, Philipp Horn einen – mehr nicht. Kein Sieg, keine Durchschlagskraft. Pfund liefert das Narrativ, das der Verband braucht: Jung, unbekümmert, laut. „Ich bin kein Kontrollfreak mehr, ich bin Risikopilot“, sagt er und meint damit, dass er früher jeden Schuss kontrolliert habe, jetzt aber auf Intuition schaltet. Die Zahlen sprechen mit: 87 % Trefferquote in Nove Mesto, dazu eine der schnellsten Laufzeiten des Feldes.

20. Platz oder 30. – pfunds ziel ist ein dauerhafter startplatz

20. Platz oder 30. – pfunds ziel ist ein dauerhafter startplatz

Für die Saison 2026/27 verlangt er sich keine Medaillen ab, aber einen fixen Stammplatz im Weltcup-A-Kader. „Wenn ich 20. in der Gesamtwertung werde, ist das ein Hammerjahr. Wenn es 30. wird, auch okay. Hauptsache, ich bin dabei und darf diese Atmosphäre wieder einatmen.“ Dabei wirkt seine Euphorie nicht gelernt, sondern angefressen wie ein Gletschersee: klar, kalt, echt. Er spricht von „Kopfkino“, von „Nervenflattern“, das ihn nachts wach werden ließ – nicht wegen der DQ, sondern wegen dem Gedanken, bald wieder auf diese Betonrampe zulaufen zu dürfen.

Der DSV hat seinen Hoffnungsträger gefunden. Pfund hat seinen Sport neu erfunden. Und die Fans? Die warten schon auf den nächsten Sprint, bei dem er wieder als Erster durchs Ziel fliegt – egal, ob hinterher eine Medaille oder nur das Adrenalin wartet.