Jena stolpert ins mittelmaß: pokal-derby wird zur zerreißprobe

Die Tabelle lügt nicht: Carl Zeiss Jena ist seit 13 Spieltagen ohne Sieg in Folge, in der Rückrundentabelle nur Elfter – und plötzlich hängt der ganze Saisonplan am seidenen Faden des Thüringenpokals.

Was im Herbst noch wie ein sicherer Aufstiegsmarsch aussah, entpuppt sich im Frühjahr als taktische Bremsung. Die einst beste Defensive der Regionalliga Nordost kassierte in den letzten fünf Partien neun Gegentore, zwei davon nach fragwürdigen Elfmeter-Entscheidungen. Volkan Uluc spricht es offen aus: „Die Kleinigkeiten entscheiden – und sie entscheiden gegen uns.“

Die zahlen, die jena erdrücken

Die Hinrunde: 1,8 Punkte pro Spiel, 0,7 Gegentore. Die Rückrunde: 1,0 Punkte, 1,6 Gegentore. Die Tendenz ist kein Ausrutscher, sie ist ein Trend. Besonders bitter: Gegen die letztplatzierte SG Meuselwitz und den Aufsteiger aus Eilenburg gab es Null Punkte – das sind die direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt, nicht um den Aufstieg.

Der Kader ist nicht dünner geworden, die Automatismen aber sind verrutscht. Der einstige Pressing-Koloss wirkt in der Vorwärtsbewegung lehrbuchhaft, aber langsam. Die Sechser-Position, früher das Herzstück, läuft nun auf halber Geschwindigkeit – ein Problem, das sich in der 3. Liga rächen würde, falls der Traum doch noch Realität wird.

Pokal-derby als brandbeschleuniger

Pokal-derby als brandbeschleuniger

Am Sonntag geht’s nach Erfurt. 16 Jahre hat Jena dort nicht gewonnen, 180 Minuten hat die Mannschaft in dieser Saison nicht getroffen. Das ist keine Statistik, das ist ein Fluch – und gleichzeitig die einzige Chance, die Saison noch zu retten. Der Pokal ist kein Bonus mehr, er ist der Rettungsanker: 250.000 Euro Preisgeld winken im Viertel, Geld, das der Klub braucht, um die Lizenz-Zahlen aufzustellen.

Kapitän Nils Butzen redet sich in Rage: „In Erfurt zählt nur das Eine: gewinnen. Punkt. Wer sich versteckt, ist hier falsch.“ Die Worte klingen nach Kampfansage, sie sind aber auch ein Schulterschluss mit dem Fanblock, der in den letzten Heimspielen schon mal pfeifend in die Kabine griff.

Die Lage ist klar: Fällt Jena im Pokal, droht eine Saison ohne Ziel, ohne Geld, ohne Gesicht. Die Konkurrenz aus Zwickau und Halle wartet schon auf die nächsten Patzer. Die Relegation? Vom Tisch. Die moralische Schneise? Offen. Das Derby ist kein Spiel mehr, es ist die letzte Kugel im Lauf.