Pesic wirft hin: nach 45 jahren seitenwechsel, kein comeback mehr

Svetislav Pesic hat genug. Nach 45 Jahren an der Seitenlinie, 13 Titeln auf drei Kontinenten und einem Gespräch mit sich selbst im Hotelzimmer von Kaunas zieht der 76-Jährige die Notbremse. „Ich kann nicht mehr länger Cheftrainer sein“, sagt er der Zeit – und meint damit nicht nur Bayern München, sondern überhaupt.

Die Entscheidung reift seit Januar. Vor dem EuroLeague-Spiel in Litauen schaut er im Spiegel, hört sich selbst sagen: „Du wirst 77, was machst du hier?“ Die Antwort kommt postwendend: Schluss, aus, vorbei. Kein Drama, keine Tränen, nur die Erkenntnis, dass die Knie nach 1.500 Spielen nicht mehr wollen und die Familie in Barcelona zu lange wartet.

Die zahlen, die seinen abschied erzwingen

Die zahlen, die seinen abschied erzwingen

Pesic ist kein Trainer, der sentimental wird. Er zählt. 2014 holte er mit den Bayern die deutsche Meisterschaft, 1993 mit Deutschland die Europameisterschaft, 2001 mit Jugoslawien sogar die Weltmeisterschaft. Doch aktuell liegen die Münchner in der EuroLeague außerhalb der Playoffs, im Pokal schieden sie im Halbfinale aus. Die Rechnung ist simpel: Wenn die Ergebnisse nachlassen, muss der Kopf gehen – auch wenn er zur Legende geworden ist.

Sein Nachfolger steht noch nicht fest. Intern wird über Andrea Trinchieri spekuliert, doch der Vertrag in Mailand läuft noch bis 2027. Extern flattert das CV von Emir Mutapcic durch die Geschäftsstelle, doch sportvorstand Daniele Baiesi schweigt. Wer auch immer kommt: Er erhält ein Team, das ohne Pesic’ harte Hand nicht mehr läuft. Die Defense-Rating fiel nach der Rückkehr des Serben von 108 auf 98 Punkte pro 100 Possessions – ein Sprung, der selbst NBA-Scouts aufmerken ließ.

Pesic selbst will bleiben, nur eben nicht mehr mit Krawatte. Er plant Clinics in Pirot, seinem Geburtsort, und einen Lehrstuhl in Barcelona, wo er seit 30 Jahren lebt. „Ich werde keine Taktikbretter mehr schmeißen, aber ich werde Jungs zeigen, wie man einen Pick-and-Roll liest“, sagt er und lacht. Das Lachen klingt erstmals nicht wie das eines Coaches, sondern wie das eines Großvaters, der den Enkeln Fußballtricks beibringt.

Die Saison endet am 15. Mai in Berlin. Dann steht er zum letzten Mal in der Zone, zieht die Arme hoch, schreit „Bravo!“ auf Serbisch. Danach wird die Halle dunkel, die Uhr bleibt auf 00:00 stehen – und ein ganzes Basketballland fragt sich, wer künftig den Timer bedient. Pesic hat die Antwort schon parat: „Niemand. Jeder muss seinen eigenen finden.“