Pavlović packt aus: vor dem wm-kracher gegen curaçao plaudert der bayern-junge aus dem nähkästchen
Aleksandar Pavlović sitzt im ZDF-Studio, zupft an seinem Trainingspulli und grinst, als wolle er sich selbst nicht glauben: „Bei der Auslosung kannte ich Curaçao nicht, das muss ich ehrlich zugeben.“ Ein Satz, der ausgerechnet 48 Stunden vor dem WM-Auftakt des DFB-Teams für Gesprächsstoff sorgt. Houston ist heiß, das Quartier der Nationalelf liegt abgeschirmt hinter Büschen und Beton, und drinnen schmiedet Hansi Flick Pläne gegen den kleinsten WM-Teilnehmer aller Zeiten.
„Langweilig“ im teamhotel – und warum das clever kalkuliert ist
Pavlović beschreibt die Atmosphäre im Camp mit einem Wort, das sonst niemand wagt: „Ein bisschen langweilig.“ Doch der 22-Jähige lacht schnell nach, weil er weiß, was dahinter steckt. „Die Betreuer haben sich was dabei gedacht. Weniger Ablenkung, mehr Fokus.“ Dazwischen fasst er sich an die Stirn, als wolle er die Hitze der texanischen Sonne abschütteln. „Wir haben alle Bock drauf, endlich loszulegen.“
Die Taktik ist klar. Pavlović bestätigt es fast nebenbei: „Sie stehen sehr tief und warten auf Konter.“ Curaçao, 156.000 Seelen, zehn Profis in zweitklassigen Ligen, hat nichts zu verlieren. Die deutsche Analyseabteilung lieferte ein dreiminütiges Video, das zeigt, wie die Karibikmannschaft in einen 5-4-1-Korsett schlüpft und dann mit Tempo nach vorne sticht.

Ein debütant jagt den nächsten – und keiner kennt ihn
Die Ironie: Ausgerechnet Pavlović, selbst noch Jungspund mit gerade einmal 22 Jahren und zwei Länderspielen, spricht über einen Gegner, der auf der internationalen Landkarte so gut wie unsichtbar ist. „Wir haben die Schwerpunkte besprochen“, sagt er und tippt auf eine imaginäre Taktiktafel. „Räume zustellen, frühes Umschalten, keine Ballverluste im Mittelfeld.“
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Drei Testspiele, zwei Siege, ein Remis – das ist die Bilanz von Curaçao in diesem Jahr. Gegen Deutschland, die Nummer 14 der FIFA-Weltrangliste, wird das Team von Trainer Remko Bicentini erneut zur Wundertüte. Pavlović nickt, als sei ihm klar, dass genau diese Unberechenbarkeit gefährlich ist. „Für die ist es das Spiel ihres Lebens. Für uns der erste Schritt in Richtung K.o.-Phase.“
Am Sonntag um 19 Uhr deutscher Zeit geht’s los. Pavlović hat keine Angst vor einem Ausrutscher, aber er weiß, dass die Welt zuschaut. „Wenn wir nicht gewinnen, gibt’s Ärger“, sagt er und grinst wieder, diesmal breiter. Dann verschwindet er in der Kabine. Die Klimaanlage summt, draußen brutzeln 34 Grad im Schatten. In Houston beginnt der Ernstfall – und ein kleines Land träumt vom großen Coup.
