Fifa-ticket-chaos: haben sich die verantwortlichen verzockt?

Die Fußballwelt steht kurz vor dem Start der WM 2026, doch statt Vorfreude herrscht Verwirrung um die Ticketverkäufe. Während die FIFA sich selbst mit über 500 Millionen Ticketanfragen brüstete, deutet die Realität auf ein anderes Bild hin: Viele begehrte Spiele bleiben trotz hoher Preise leer oder werden durch Freikartenaktionen gerettet. Hat die FIFA bei der Preisgestaltung und dem Vertrieb einen entscheidenden Fehler gemacht?

Dynamic pricing und leere ränge: ein teurer spaß

FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte im Februar noch von „104 Super Bowls“ gesprochen. Doch die Realität sieht anders aus. Bei Spielen, in denen kleinere Nationalmannschaften aufeinandertreffen, wie beispielsweise Saudi-Arabien gegen Kap Verde oder Österreich gegen Jordanien, gibt es weiterhin zahlreiche Tickets. Der Wirtschaftswissenschaftler Florian Ederer von der Boston University kritisiert die aggressive Preispolitik der FIFA: „Die Preise sind sehr hoch und steigen weiter, da das Dynamic-Pricing-System kaum Abwärtskorrekturen kennt.“

Erinnert man sich an die Probleme bei der Klub-WM, bei der einige Spiele vor leeren Rängen stattfanden und die Preise auf neun Euro gesenkt werden mussten, so zeigt sich, dass die FIFA aus dieser Erfahrung zwar gelernt hat, aber offenbar nicht genug. Der Versuch, durch hohe Preise im primären Markt maximale Einnahmen zu erzielen, führt zu einem regelrechten Schwarzmarkt, auf dem Tickets deutlich unter dem offiziellen Preis angeboten werden.

Ein system im hintergrund?

Ein system im hintergrund?

Während die FIFA eine eigene Wiederverkaufsplattform betreibt, tauchen Tickets auf anderen Plattformen wie Seatgeek massenhaft auf. Dies deutet auf ein mögliches System hin, bei dem die FIFA möglicherweise selbst Karten bereitstellt, um die Preise hoch zu halten. Eine Anfrage der Sportschau blieb unbeantwortet. Ederer vermutet, dass die FIFA versucht, aus dem Sportevent „jeden möglichen Dollar“ herauszupressen und gleichzeitig den Eindruck zu erwecken, die Nachfrage sei ungebrochen.

Die Verteilung von Freikarten durch die saudi-arabische und die ghanaische Botschaft in den USA sowie die Verlosung von Tickets durch Verizon verdeutlichen, dass die FIFA mit leeren Sitzen im Stadion rechnen muss. Doch statt die Preise zu senken, setzt der Weltverband offenbar auf andere Maßnahmen, um die Stadien zu füllen.

Die fifa: machtinstrument für infantino

Die fifa: machtinstrument für infantino

Die Einnahmen der WM sind für FIFA-Präsident Infantino ein Machtinstrument. Er versorgt alle 211 Nationalverbände mit Geld und sichert sich so eine breite Basis für seine Wiederwahl im Jahr 2027. Dass er dabei offenbar auch auf fragwürdige Ticketpraktiken zurückgreift, wird von Kritikern immer lauter bemängelt. Infantino betonte zwar, dass „jeder Dollar“ in den Fußball investiert werde, doch die Vorwürfe der Preismanipulation und des Schwarzmarkthandels bleiben bestehen.

Die FIFA hat sich verzockt. Statt ein Fest für die Fans zu feiern, droht ein Imageschaden, der den Ruf des Weltverbands nachhaltig beschädigen könnte. Die Frage ist, ob die FIFA ihre Taktik noch einmal überdenken wird, bevor es zu spät ist.