Pasquantino pulverisiert mexiko – italien wirbelt im wbc-quartier
Vinnie Pasquantino schlägt dreimal raus aus dem Park, Mexiko fliegt 1:9 raus – und Italien schreibt Baseball-Geschichte im World Baseball Classic.
Der captain, der den traum wach hielt
Die Zahlen sind schon ein Comic-Strip: 12 Homeruns in vier Spielen, 9 Runs gegen Mexiko, 0 Zweifel im eigenen Bullpen. Aaron Nola lieh seinem 97-mph-Fastball eine unbedingte Ruhe, 5 Innings, 1 Hit, 7 Strikeouts. Dann kam der sechste, und Pasquantino hob die Keule wie einen Taktstock. Erst ein Solo-Homer, dann ein Zweischlag-Solo, dann ein 3-Run-Bomb – alle in denselben Nachtwind über das Left-Center-Field von LoanDepot Park. Drei Homer in einem WBC-Spiel, das hatte noch keiner. „Ich wusste, dass ich irgendwann heiß werden würde“, sagte er, als hätte er nur gewartet, bis Mexiko an die Reihe kam.
Die Folge: Italien gewinnt Gruppe C, die USA rutschen als Zweiter durch die Hintertür mit. Puerto Rico wartet im Viertelfinale – Samstag, 20:00 Uhr Ortszeit, also 2 Uhr nachts in Rom. Für die Squadra Azzurra ist das kein Horror-Termin, sondern die nächste Bühne eines Märchens, das 2013 begann, als sie Mexiko in San Juan mit dem damals unantastbaren Sergio Romo noch im letzten Inning wegsteckten. Gestern brauchten sie keine neunte-Inning-Dramatik. Sie erledigten alles vor dem Nachschlag.

Kleine tricks, große bretter
Mike Piazza, der hitting coach, hatte vor dem Spiel eine einfache Botschaft: „Wenn ihr auf den Ball wartet, wartet auf den Moment.“ Den Moment fanden sie im zweiten Inning, als Jac Caglianone mit einem Squeeze-Bunt den dritten Run erzwang – ein klassisches College-Play, das Profis selten riskieren. Dann kam der fünfte Inning: Single, Double, Wild Pitch, zwei weitere Runs. Die mexikanische Rotation wirkte plötzlich wie ein Defekt-Wecker, der nur noch schrillt.
Im siebten Inning warf Claudio Scotti – ein 23-jähriger Römer aus Parma – mit Bases Loaded einen called third Strike gegen Jarren Duran, den gefährlichsten Mexikaner. Das Stadion erbebte, aber nicht vor lautes „¡Viva!“, sondern vor italienischem Gesang, der aus dem Dugout kam. Die WBC-Organisatoren rechnen bereits mit einem neuen TV-Rekord in Italien: 1,3 Millionen Zuschauer um 2 Uhr morgens, eine Zahl, die selbst der Fußball nur im Sommermärchenmodus erreicht.

Usa atmet auf – und schaut nach vorn
Dank des italienischen Sieges schlägt Team USA trotz 1:2-Pleiten die Tür zur K.-o.-Runde auf. Die Dominikanische Republik, Kuba, Venezuela – alle haben sie jetzt einen gemeinsamen Albtraum: ein italienisches Lineup, das nicht nur läuft, sondern drosch. Die Homeruns Nummer 10, 11 und 12 bedeuten Rang zwei im gesamten Turnier, nur die Dominikaner haben mehr.
Pasquantino, 25, erklärte später, er habe sich die drei Bälle als Souvenir sichern lassen – einer für sich, einen für seinen Vater und einen für das Baseballmuseum in Nettuno. „Dort haben sie mich großgezogen, jetzt zahle ich die Miete zurück.“ Die Miete ist ein Viertelfinale, das kein italisches Team je erreichte. Und eine Botschaft, die über den Atlantik flattert: Wer glaubt, Baseball sei nur ein US-Sport, hat noch nicht die Nacht gesehen, in der ein Mann aus Florenz, Alabama, drei Mexikaner rauskegelte und eine ganze Nation wach bleibt, bis der erste Sonntagspfannkuchen brutzelt.
