Paralympics-legende beendet karriere: sánchez verabschiedet sich nach 19 jahren

Ein Kapitel im deutschen Para-Sport geht zu Ende: Álex Sánchez Palomero, der zweifache Paralympics-Medaillempfänger, hat nach einer beeindruckenden Karriere von 19 Jahren seine aktive Laufbahn beendet. Der 39-Jährige, der zwischenzeitlich in Palma de Mallorca lebte, hatte eigentlich noch den Traum, bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028 im Taekwondo anzutreten – ein ambitionierter Plan, der nun aufgrund gesundheitlicher und familiärer Umstände geplatzt ist.

Ein leben zwischen triumph und schmerz

Sánchez’ Karriere ist geprägt von außergewöhnlichem sportlichem Erfolg, aber auch von persönlichen Herausforderungen. Seine Bronzemedaillen im Schwimmen bei den Paralympics in Peking 2008 (100 m Lagen SB8) und im Triathlon in Tokio 2020 stehen für jahrelange harte Arbeit und unermüdlichen Einsatz. Doch hinter dem Glanz der Medaillen verbargen sich auch Schmerzen und Einschränkungen. Eine Folge eines schweren Unfalls vor vielen Jahren leitet er eine starke Skoliose, die mit täglicher Medikation behandelt werden muss. „Nach zwei oder drei harten Trainingseinheiten signalisiert mein Rücken, dass er eine Pause braucht“, erklärt Sánchez.

Aber es ist nicht nur der körperliche Zustand, der ihn zur Entscheidung bewegt hat. Die Familie spielte eine entscheidende Rolle. Der Gedanke an eine erneute Saison im Taekwondo, die mit zahlreichen Abwesenheiten und persönlichen Opfern verbunden gewesen wäre, war letztendlich zu viel. „Mein Sohn und meine Frau brauchen mich. Ich möchte nicht, dass sie die gleichen Opfer bringen müssen wie ich“, so der Sportler.

Von der sehnsucht nach dem schwimmbecken zum triathleten – und zurück

Von der sehnsucht nach dem schwimmbecken zum triathleten – und zurück

Seine sportliche Reise begann im Alter von 17 Jahren, als er nach einem Motorradunfall, bei dem er die Beweglichkeit und Sensibilität seines rechten Arms verlor, im Krankenhaus die Paralympics in Athen im Fernsehen sah. Sein Vater ermutigte ihn, eines Tages selbst dabei zu sein – ein Samen, der aufgegangen ist. Sánchez nutzte seine Behinderung nicht als Hindernis, sondern als Ansporn. Er wechselte vom Schwimmen zum Triathlon und bewies damit seine unglaubliche Vielseitigkeit und seinen Willen zum Erfolg.

Besonders prägend war für ihn die Bronzemedaille in Tokio. „Diese Medaille hat mir mental sehr geholfen. Sie hat mir das Gefühl gegeben, etwas erreicht zu haben und meinen inneren Frieden wiederzufinden“, erinnert sich Sánchez. Die schwierigste Phase war der Weg nach Paris, der durch eine Achillessehnenverletzung erschwert wurde. Auch die Spiele in London, seine letzte Teilnahme im Schwimmen, waren von einem Kampf gegen ungerechte Regelungen geprägt.

Mehr als nur ein sportler

Mehr als nur ein sportler

Álex Sánchez ist nicht nur ein herausragender Athlet, sondern auch ein Experte für den Para-Sport. Als einer der erfahrensten Köpfe im Bereich des Behindertensports ist er gut positioniert, um die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte zu beurteilen. „Es hat sich viel verbessert, aber es gibt noch viel zu tun. Es muss eine Brücke zwischen Medaillengewinnern und Finalisten gebaut werden“, betont er. Er ist davon überzeugt, dass Para-Sportler heute professionelle Athleten sind.

Nach seiner aktiven Karriere möchte Sánchez sein Wissen und seine Erfahrung weitergeben. Er plant, sich in der Sportmanagementbranche zu engagieren und den Para-Sport und den Sport in den Balearen zu fördern. „Ich möchte dazu beitragen, dass sich junge Talente entwickeln und dass der Weg für zukünftige Sportler erleichtert wird“, sagt er. Auch wenn er den elitären Sport verlassen hat, wird er dem Sport immer verbunden bleiben. „Mit meinem Rücken ist die Belastung jetzt anders. Es geht darum, Sport aus gesundheitlichen Gründen zu treiben, ohne Leistungsdruck. Sport ist ein Teil meines Lebens wie Essen und Schlafen. Ich werde ihn nicht aufgeben. Ich werde andere Wege finden.“

Der Abschied ist zwar schwer, aber Sánchez blickt optimistisch in die Zukunft. Seine außergewöhnliche Karriere hinterlässt ein bleibendes Vermächtnis und inspiriert kommende Generationen von Para-Sportlern. Die Faszination des Sports wird er nie verlieren – auch wenn sie sich nun in einer anderen Form zeigt.