Paralympics 2026: protest, matsch und ein silber als politisches statement

Mailand/Cortina – Was für ein Abschluss! Die Paralympics 2026 enden mit einer Staffel, die mehr über Politik und Wetter redet als über Sport. Russland darf wieder unter eigener Flagge starten, die Pisten sind Frühlingsboden, und Linn Kazmaier trägt ihre Silbermedaille wie einen Protestschild.

Die hymne als demonstration

Als im Biathlonstadion von Cortina die russische Nationalhymne erklingt, dreht sich Deutschlands 19-jährige Langläuferin demonstrativ zur Seite. Die Mütze bleibt auf, das Selfie mit den russischen Siegern entfällt. „Vielleicht sind das ganz normale Menschen, mit denen wir Freunde sein könnten. Aber das System, das sie repräsentieren, ist nicht meins“, sagt sie später, und ihre Stimme zittert nicht vor Kälte, sondern vor Wut.

Kazmaier ist nicht allein. Die ukrainische Delegation hatte schon vor der Eröffnung angekündigt, jede Zeremonie zu boykottieren, auf der auch nur eine russische Flagge weht. Das IPC hatte die Rückkehr Moskaus mit dem Verweis auf „neutrale“ Einzelstarts begründet – doch wer in Mailand die Trikots in Weiß, Blau und Rot sah, wusste: Neutralität ist hier ein PR-Wort.

Sonnenstich statt winterzauber

Sonnenstich statt winterzauber

Parallel zur politischen Eskalation lief die Klimakatastrophe auf Sparflamme weiter. Plus 14 Grad im Schatten, Schneematsch bis zum Knöchel, Rennen, die wegen Streckenverfall abgebrochen wurden. Snowboarder Christian Schmiedt fragt sich öffentlich, ob er bei den „Frühlingsspielen“ startet – und bekommt Zuspruch aus dem eigenen Lager.

Langlauf-Renndirektor Georg Zipfel räumt ein: „Wir hätten die Strecke salzen müssen.“ Stattdessen wurde improvisiert: Marco Maier schneidet sich die Hosen kurz, fährt vier Medaillen und wird zur Social-Media-Ikone. Die Athleten feiern ihn, weil er aus der Katastrophe Profit zog. Die Verbände planen bereits, künftige Termine nach vorne zu ziehen – Januar statt März –, doch der Klimawandel lässt sich nicht durch Kalender verlegen.

Deutsche bilanz: breit, aber ohne glanz

Deutsche bilanz: breit, aber ohne glanz

Im Medaillenspiegel landet Team D auf Rang fünf – keine Gold-Nation, aber eine Konstante. Die Breite stimmt: 27 Podestplätze in neun Sportarten. An der Spitze fehlt der Knockout. Die letzte Gold-Chance verpasste Curler Christian Putzich im Steiner-Final mit 5:6 gegen Kanada. „Wir haben gezeigt, dass wir dabei sind. Jetzt müssen wir lernen, zu gewinnen, wenn’s weh tut“, sagt Bundestrainer Ralf Rombach, der sich nach zehn Tagen italienischem Frühlingswetter „nur noch in den Schnee nach Hause“ sehnt.

Die nächste Chance kommt 2030 in den französischen Alpen. Vier Jahre, um neue Pisten, neue Strategien – und vielleicht neue Politik zu finden. Die Athleten haben bereits signalisiert: Sie werden wieder protestieren, wenn nötig. Und das Wetter? Es wird wärmer. Die Paralympics müssen sich fragen, ob sie Sport wollen – oder ein politisches Wetterfestival mit Medaillen verschenken.