Pancaro zerreißt fassaden vor lazio-milan: 'römer müssen fans zurückholen, milan darf träumen'
Pippo Pancaro packt es. Der Doppelsechsjahresmann von Lazio und Milan schreibt vor dem Showdown im Olympico die Rechnung ohne den Trainer: 'Lazio muss zuerst ihre eigenen Leute wieder hinter sich bringen, sonst nützt jedes Taktikbrett nichts.' Der 52-Jährige, der mit beiden Klubs je eine Meisterschale holte, spricht ein Tabu aus.
Lazio steht mit leeren rängen vor dem spiegel
Seit Wochen schwankt die Stimmung zwischen Proteststimmung und Apathie. Die Nordkurve probte den Boykott, während Sarri seinen Spielern auf dem Trainingsplatz einredet, das letzte Aufgebot sei noch nicht geschrieben. 'Die Jungs laufen sich warm für eine Zukunft, die sie sich selbst erkämpfen müssen – ohne Zwischenrufe, ohne Pfeifkonzert', sagt Pancaro beim Telefonat mit der TSV-Pelkum-Redaktion. 'Das ist keine normale Partie, das ist eine Generalprobe für die Seele des Vereins.'
Milan reist dagegen als Jäger. Nach dem 0:0-Remis der Inter am Sonntag liegt die Meisterschaft wieder in Reichweite. Pancaro kennt die Mechanismen im Rossonero-Lager: 'Pioli hat aus den Fehlern der Vorsaison gelernt. Er setzt auf Tiefe statt auf Tiki-Taka, lässt Leao frei rotieren und stützt sich auf ein Mittelfeld, das nicht mehr aus Prestige-Transfers, sondern aus funktionierenden Rädchen besteht.'

Allegri gegen sarri: zwei philosophien, ein ziel
Die Trainerfrage spaltet die Tribünen. 'Allegri ist der Pragmatiker, der aus einem 1:0 ein 1:0 macht und dafür bezahlt wird, dass er am Ende vorne steht', analysiert Pancaro. 'Sarri dagegen glaubt an ein Fußball-Bild, das erstens schön und zweitens effektiv sein soll – nur funktioniert das in Rom seit Monaten nicht mehr.' Die Statistik liefert ihm recht: Lazio erzielte in den letzten acht Liga-Spielen nur neun Treffer, Milan kassierte in derselben Phase nur fünf Gegentore.
Die personelle Zwickmühle betrifft beide Teams. Milan braucht den Leao, der den Unterschied macht, aber auch den Moment kennt, in dem er sich selbst aus dem Spiel nimmt. 'Er ist kein Robben, der 90 Minuten lang die Linie runter rennt', so Pancaro. 'Er ist ein Jazz-Musiker, der erst dann solo geht, wenn er spürt, dass der Takt stimmt.' Bei Lazio wartet man auf Zaccagni, der mit fünf Toren und sieben Vorlagen die einzige Konstante neben Immobile bleibt. 'Ohne ihn wirkt Lazio wie ein Film ohne Ton – man sieht die Bilder, versteht aber die Geschichte nicht.'

Die echten gewinner sitzt nicht auf der bank
Am Ende nennt Pancaro eine Zahl, die lauter ist als jedes Fan-Gesang: 'Wenn Milan heute gewinnt, liegt die Serie-A-Spitze nur noch einen Punkt entfernt. Wenn Lazio gewinnt, springt sie auf Platz sieben und wahrt die Chance auf Europa.' Doch der eigentliche Profit liegt außerhalb der Tabelle. 'Der Sieger bekommt nicht nur drei Punkte, er bekommt ein Narrativ für die Restsaison. Milan darf wieder von der Meisterschaft träumen, Lazio darf an die Coppa Italia glauben. Der Verlierer muss erklären, warum ein Projekt ins Leere läuft.'
Der Countdown läuft. In 90 Minuten entscheidet sich, ob Sarri seine Mannschaft wieder in die Kurve bringt oder Pioli die Meisterschaft wieder in die Arena. Pancaro lacht grimmig: 'Fußball ist einfach: Wer zuerst trifft, bestimmt die Schlagzeilen. Wer zuletzt trifft, bestimmt die Geschichte.' Der Ball rollt um 20.45 Uhr – und mit ihm die Zukunft zweier Klubs, die sich in derselben Stadt die Luft zum Atmen nehmen.
