Otepää-wahnsinn: strelow verliert gewehr – dsv jagt wm-generalprobe
Die Koffer sind durchsucht, das Gewehr wieder da – aber der Puls bleibt hoch. Justus Strelow landete in Tallinn, musste zusehen, wie sein Matchgewehr vom Gepäckband verschwand und tauchte drei Stunden später wieder auf. „So startet keine Generalprobe“, sagt Bundestrainer Markus Groß. Trotzdem: In Otepää geht’s ab heute um mehr als nur Weltcup-Punkte. Die Strecke in Südestland ist 2027 WM-Bühne, und wer jetzt die richtigen Signale setzt, sichert sich Startplätze und Sponsorengelder.
Der plan: sprint, verfolgung, staffel – alles binnen 96 stunden
Vier Tage, sechs Rennen, null Verschnaufpause. Der Wettkampfkalender liest sich wie ein Fitnessstudio-Programm auf Koks. Donnerstag 15:15 Uhr Männer-Sprint, Freitag gleiche Uhrzeit die Frauen. Samstag Doppelbelastung: Verfolgung für beide Geschlechter, Sonntag wird ge-staffelt – erst Single-Mixed, dann die große Mixed-Staffel. Eurosport und HBO Max übertragen live, Kommentator Alexander Ruda schaltet sich ab 14:50 Uhr aus München ein. Wer streamt, braucht nur das Eurosport-Player-Update – und stabiles WLAN, denn Estland hat im Wald kein 5G.
Die Zielgruppe: Vanessa Voigt will nach ihrer Bronzelaune aus Kontiolahti endlich wieder aufs Podest. Philipp Nawrath schielt auf die Gelbe Riesentour-Wertung, weil Johannes Thingnes Bö nach der Vaterpause nicht in Otepää startet. Und Marlene Fichtner? Die Traunsteinerin war in Ruhpolding Fünfte, kassierte 3.000 Euro Prämie und kaufte sich damit einen neuen Ski. „Jetzt will ich die Edelstufe“, sagt sie – und meint nicht den Hotelbereich.

Dsv-kader: zwölf namen, ein machtkampf
Markus Groß nominierte zwölf Athleten, doch nur zehn starten. Die Regel: Wer beim Sprint versagt, fliegt raus. Hinten raus bedeutet: keine Verfolgung, keine Staffel, keine Preisgelder. Deshalb trainierten die Frauen gestern bis 17:30 Uhr Schießen im Wind, während die Männer mit angezogenen Riemen durch den Wald sprinteten. „Jeder Schuss ist ein Bewerbungsgespräch“, sagt Groß. Die Personalie Julia Tannheimer ist dabei das spannendste Kapitel: 20 Jahre, erstes Weltcup-Wochenende überhaupt – und gleich WM-Strecke. Keine Träne, kein Zittern: „Ich will zeigen, dass der Deutsche Skiverband mit mir richtig lag.“
Die Konkurrenz schläft nicht. Die Norweger um Sturla Holm Lägreid haben schon vorab das Hotel mit eigenen Betten bestückt – Holz aus Oslo, versteht sich. Die Franzosen reisten mit zwei Physiotherapeuten und einem Koch an, der Quinoa kann. Und die Schweizer? Die schickten im Winter 2025 eine Spionage-Crew, die die Strecke vermessen hat. Lautstärke der Schneekanonen: 78 Dezibel – genug, um das Herzschlag-Mikro zu übertönen.
Die zahlen, die zählen
500.000 Euro Preisgeld verteilen die Organisatoren, 50.000 allein für den Sieg in der Mixed-Staffel. Die Startgebühr: 150 Euro pro Athlet, fällt auch dann an, wenn man sich krank abmeldet. Die Temperaturen: zwischen –4 und –9 Grad, Wind aus Nordost, Schneefall wahrscheinlich. Perfekt für Deutsche, sagt der Wetterfrosch – schlecht für Franzosen, die lieber Sonne. Die Quoten: Nawrath wird auf Sieg mit 8,0 bezahlt, Voigt mit 12,0. Ein zehn-Euro-Schein bringt 120 Euro zurück – mehr Rendite gibt’s nur beim Krypto-Casino.
Die Botschaft ist klar: Wer jetzt nicht trifft, verliert mehr als nur Zeit. Die WM 2027 beginnt im Kopf – und zwar heute um 15:15 Uhr live auf Eurosport. Ich bin dabei, mein Stift ist geladen. Lasst uns zusammen schauen, wer aus der Verfolgung als Sieger geht – und wer nur sein Gepäck wiederfindet.
