Ösv jagt assingers erben: mitter zieht die notbremse

Roland Assinger ist weg, die Österreichischen Skifrauen stehen ohne Kommandanten da. Christian Mitter, Alpin-Director des ÖSV, muss binnen Tagen einen neuen Cheftrainer präsentieren, sonst droht vor Saisonstart personeller Aderlass. Die Kriterien sind knallhart: deutschsprachig, top-sportlich, kommunikationsstark – und sofort verfügbar.

Warum ein fußballtrainer nicht reicht

Mitter spritzt schon mal Öl ins Feuer: „Wir suchen keinen Fußballtrainer, sondern eine Fachfrau oder einen Fachmann.“ Dahinter steckt blanker Realismus. Die Athletinnen wollen jemanden, der Slalom- Kanten und Speed-Setup gleichermaßen versteht, aber auch die Mikrofone beherrscht. Denn wer in Österreich das Frauenteam führt, muss neben Material, Taktik und Psyche auch die Medienlawine überstehen.

Die Frist ist eng. Die ersten Weltcup-Slaloms in Levi und Tremblant rücken näher, die Skigirls wollen wissen, wer sie nächsten Monat noch in der Kabine empfängt. „Das Einzige, was zählt, ist Ruhe im Team“, sagt Cornelia Hütter. Die Speed-Asse fürchtet, dass sich sonst die Gerüchteküche einschaltet und Sponsoren Rückzieher machen.

Interne kandidaten fallen aus, externe zögern

Interne kandidaten fallen aus, externe zögern

Vertrackt: Die heimischen Könner sind entweder unter Vertrag oder nicht verhandlungsbereit. Eine Lösung aus der Schweiz oder Deutschland würde die Sprachfalle auslösen – Mitter blockt schon vorab: „Wir brauchen eine deutschsprachige Lösung, weil der Kommunikationsbedarf riesig ist.“ Das schränkt das Raster auf maximal fünf ernsthafte Optionen ein.

Assinger selbst lehnte ein neues Angebot ab. Der 54-Jährige will „Luft nach oben“, nicht wieder von Null anfangen. Intern kursiert, dass er künftig als Koordinator für Nachwuchs- und Frauen-Worldcup auftauchen könnte – ein Gedanke, der Mitter laut Insidern nicht abgeneigt ist. Denn dann ließe sich eine Übergangslösung konstruieren, bis im Frühjahr ein Langfrist-Nachfolger steht.

Die Athletinnen ringen um Gelassenheit. „Ich glaube, dass eine würdige Nachfolge kommt“, sagt Hütter, doch der Ton klingt abgekampft. Zu sehr hängt die gesamte Speed-Strategie des ÖSV an dieser Entscheidung. Fällt sie schlecht aus, droht die nächste Flucht – diesmal der Top-Stars zu anderen Verbänden.

Mitter will in den kommenden zehn Tagen Klarheit schaffen. Die Personalie Assinger war ein Warnschuss, zweimal will der Verband nicht hinterherlaufen. Wer auch immer die Zusage bekommt: Der neue Trainer muss sofort liefern, sonst wird der ÖSV-Frauen-Ski-Winter zur Nagelprobe für den ganzen alpinen Leistungszentrum-Bau. Die Uhr läuft – und sie läuft laut.