Ortlieb dominiert: wer trainiert am cleversten im ski-weltcup?
Die alpine Skiszene atmet auf: Nina Ortlieb ist die unangefochtene Königin der Trainingsstrecken. Doch während die Weltcuppunkte erst am Renntag fallen, offenbart eine neue Statistik eine überraschende Wahrheit: Nicht immer der Schnellste im Training gewinnt auch das Rennen. Wir haben die „Trainingsweltmeisterin“ der Saison 2025/26 gekürt und blicken hinter die Kulissen der taktischen Finesse der Top-Athletinnen.
Die unbestrittene dominanz von nina ortlieb
Die Österreicherin Nina Ortlieb hat in dieser Saison eine beeindruckende Konstanz im Abschlusstraining bewiesen. Mit 499 Punkten führt sie unsere Rangliste deutlich an. Ihre Fahrweise ist dabei auffällig: Ortlieb nutzt die Generalprobe nicht zum Taktieren, sondern um das Limit der Strecke voll auszuleuten. Das spiegelte sich in drei Siegen in Crans-Montana, Soldeu und Val di Fassa wider – ein klares Signal an die Konkurrenz. Allerdings blieb die Frage offen, ob sie diese Trainingsleistungen auch regelmäßig in den Rennen bestätigen kann.
Kira Weidle-Winkelmann aus Deutschland belegt mit 433 Punkten den zweiten Platz. Ihre akribische Arbeit an der Aerodynamik im Training zeigt sich in dieser Statistik deutlich. Sie agiert eher pragmatisch und will sich im Training das nötige Selbstvertrauen für den Renntag holen. Ein ganz anderer Ansatz ist bei Ester Ledecka (CZE) zu beobachten, die als Draufgängerin gilt und in jedem Lauf aufs Gaspedal drückt – Taktieren ist nicht ihr Ding.

Die meister der geduld: taktik statt speed
Ein Blick auf den zehnten Platz in unserer Wertung offenbart eine interessante Erkenntnis: Laura Pirovano (ITA) bewies, dass man nicht jedes Training gewinnen muss, um am Ende erfolgreich zu sein. Während sie im Training „nur“ 211 Punkte sammelte, sicherte sie sich die kleine Kristallkugel in der Abfahrt. Ihre Strategie war klar: Eine solide Leistung im Abschlusstraining, aber die letzte Risikobereitschaft für den Renntag aufsparen. Diese Abgeklärtheit zahlte sich aus.
Doch wo sind die Fahrerinnen, die im Rennen regelmäßig um das Podest kämpfen? Viele der Top-Athletinnen, wie Emma Aicher (GER) und Conny Hütter (AUT), setzen auf eine andere Taktik. Sie schonen ihre Kräfte im Training und minimieren das Risiko, um dann im Rennen ihre ganze Energie zu entfalten. Auch Corinne Suter (SUI) zählt zu den besten Abfahrerinnen, verließ sich aber primär auf ihre Erfahrung und Routine.
Die Schweizerinnen, allen voran Joana Hählen, sammelten zwar fleißig Trainingspunkte, konnten aber nicht an die Dominanz von Ortlieb heranreichen. Ein Indiz dafür, dass Training zwar wichtig ist, aber eben nicht alles.
Fazit: Die Trainingsweltmeisterschaft mag ein interessantes Spiel sein, doch am Ende zählt der Erfolg auf der Piste. Nina Ortlieb besitzt zweifellos das Potenzial, im kommenden Winter um den Gesamtweltcup zu kämpfen – die Trainingsergebnisse zeigen, dass sie über die nötige Geschwindigkeit verfügt. Doch es gilt, diese Konstanz nun auch in Rennen abzurufen. Die Saison 2025/26 hat gezeigt: Training ist Silber, Rennen ist Gold.
