Orkanböen zwingen volta-organisatoren zur kehrtwende – vernon profitiert
Die vierte Etappe der Volta a Catalunya sollte die erste Generalprüfung werden. Stattdessen riss der Sturm das Skript auseinander: 90 km/h Böen auf dem Vallter gipfelten in einer 11. Stunde-Umleitung, die die Königsetappe in eine Sprintvorführung verwandelte.
Die nacht der abgesagten anstiege
Als die Wetterdienste ihre roten Warnungen raushauten, schaltete die Rennleitung auf Krisenmodus. Die ursprüngliche Route – 208 km mit Finale auf 2.150 m – endete abrupt in Camprodon, 45 km und 1.300 Höhenmeter vor dem eigentlichen Ziel. Die Konsequenz: Wer auf Zeitfahrten und Bergzüge gesetzt hatte, schaute in die Röhre. Jumbo-Visma ließ den Bus stehen, INEOS und Uno-X übernahmen die Bühne.
Die Flucht war von Anfang an ein Zahnrad mit Spiel. Nur vier Fahrer wagten sich vor: Samuel Fernández, Baptiste Veistroffer, Koen Bouwman und Merhawi Kudus. Veistroffer und Bouwman stiegen jedoch nach 70 km ab – kein Sinn bei gestrichenen Bergpunkten. Kudus und Fernández kämpften allein gegen ein pelotón, das sich in Endzeitstimmung befand.

Bonifikationspoker und vernons premierensieg
Beim Zwischensprint in Granollers schlug Remco Evenepoel zu und nahm drei Sekunden mit, Tom Pidcock schnappte sich zwei. Vingegaard blieb neutral, sparte seine Matches für schwerere Tage. Später, in Sant Joan de les Abadesses, legte Pidcock nach – drei weitere Sekunden und damit fünf insgesamt. Die Q36.5-Mannschaft ließ ihn wie einen Boxer in die Ringecke fahren, perfekt getimed.
Im leichten Gegenanstieg nach Camprodon schaltete Ethan Vernon den Turbo. Der 23-jährige Brite vom Team DSM neu heißt nun Groupama-FDJ, aber intern heißt es noch NSN – nutzte die letzten 200 Meter, um Dorian Godon zu demontieren. Godon jagte sein drittes Etappendouble, kassierte stattdessen die zweite Plätzierung. Pidcock kam als Dritter durchs Ziel und buchte vier Zusatzsekunden – genug, um auf Platz zwei der Gesamtwertung zu klettern.

Was die wertung jetzt wirklich verrät
Jonas Vingegaard trägt weiter das weiße Leader-Trikot, aber die Differenz zu Pidcock schmilzt. Fünf Sekunden trennen die beiden, während Evenepoels Angriffslust ihn auf drei Sekunden Rückstand trimmt. Die Berge kommen noch, doch die Uhr tickt. Die Teams, die heute das Tempo bestimmten, haben ihre Karten aufgedeckt – und Vingegaard noch keine gezogen.
Morgen geht’s nach La Molina. Keine Sturmfront in Sicht, dafür 7,5 % Steigung über 11 km. Wer heute zögerte, wird morgen bezahlen. Die Volta hat ihre erste Drama-Etappe hinter sich, die nächste liegt bereits im Anflug.
