Olympia 2026: dosb setzt auf ki, um athleten vor hass zu schützen
- Zunehmende hasskommentare im netz: ein wachsendes problem
- Philipp raimund: vom helden zum hassobjekt
- Nicht nur raimund betroffen: voigt und aicher erleben ähnliches
- Der ki-filter des dosb: wie funktioniert er?
- Psychologische unterstützung und strafverfolgung
- Herausforderungen bei der strafverfolgung
- Die rolle der social-media-plattformen
- Positive auswirkungen und ausblick
Zunehmende hasskommentare im netz: ein wachsendes problem
Immer mehr Athleten werden während und nach sportlichen Wettkämpfen, insbesondere bei den Olympischen Spielen, Opfer von Hasskommentaren in den sozialen Medien. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) reagiert nun auf diese besorgniserregende Entwicklung mit einer innovativen Lösung: einem KI-Filter, der die Sportler vor dieser Form von digitaler Gewalt schützen soll.

Philipp raimund: vom helden zum hassobjekt
Ein aktuelles Beispiel ist Philipp Raimund, der Skispringer, der bei den Olympischen Spielen in Predazzo überraschend die Goldmedaille gewann. Innerhalb kürzester Zeit explodierte seine Followerzahl auf Instagram, aber damit kamen auch die negativen Kommentare. Raimund berichtet, dass er nach der Vierschanzentournee Zielscheibe von Anfeindungen wurde, da die deutschen Fans seit über 20 Jahren auf einen Sieg warteten. „Jeder Idiot bekommt eine Stimme“, so Raimund.

Nicht nur raimund betroffen: voigt und aicher erleben ähnliches
Vanessa Voigt, Biathletin, sah sich gezwungen, eine Social-Media-Pause einzulegen, nachdem sie bei ihren Wettkämpfen mit Hass konfrontiert wurde. Auch Emma Aicher, die Silber in der Abfahrt gewann, teilte einen Hass-Kommentar in ihrer Instagram-Story, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Diese Beispiele verdeutlichen, wie weit die Anfeindungen gehen können.
Der ki-filter des dosb: wie funktioniert er?
Der DOSB setzt auf Künstliche Intelligenz (KI), um Hasskommentare automatisch zu erkennen und auszublenden. Bereits bei den Olympischen Spielen 2024 wurde das Tool von einigen Athleten getestet. Bei der Analyse von 61.000 Kommentaren wurden 4.000 als hasserfüllt identifiziert. Bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo soll der Filter erneut zum Einsatz kommen.

Psychologische unterstützung und strafverfolgung
Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport des DOSB, betont die Bedeutung der psychologischen Betreuung der Athleten: „Es war so belastend gewesen, dass wir mit psychologischer Unterstützung helfen mussten, damit man mit den Hass-Posts umgehen konnte.“ Die besonders schlimmen Äußerungen führten sogar dazu, dass Personenschützer zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen mussten. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt in besonders schweren Fällen.

Herausforderungen bei der strafverfolgung
Die strafrechtliche Verfolgung der Urheber von Hasskommentaren gestaltet sich jedoch oft schwierig. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nur bei extrem rassistischen oder homophoben Äußerungen von Amts wegen. In allen anderen Fällen müssen die Betroffenen selbst eine Strafanzeige erstatten, was viele als zu aufwendig empfinden. Auch anonyme Accounts erschweren die Identifizierung der Täter.
Die rolle der social-media-plattformen
Auch ehemalige Sportler wie Mariama Jamanka weisen auf das Problem der Anonymität hin. Sie kritisieren, dass es oft schwierig ist, die Urheber der Kommentare zu ermitteln. Die Plattformen wie Facebook und Instagram sind gefordert, Hasskommentare zu löschen, auch wenn die Umsetzung in der Praxis offenbar noch nicht optimal funktioniert. Der DOSB hatte versucht, eine Gesetzesänderung zu erwirken, die es Staatsanwälten ermöglichen würde, auch ohne Strafantrag der Athleten zu ermitteln, was jedoch abgelehnt wurde.
Positive auswirkungen und ausblick
Philipp Raimund berichtet, dass der KI-Filter ihm bereits jetzt viel Druck nimmt und ihm hilft, sich auf seine sportlichen Ziele zu konzentrieren. Er fühlt sich „fokussiert und entspannt“ wie noch nie. Die Hoffnung ist, dass der Einsatz der KI dazu beitragen kann, eine sicherere und respektvollere Umgebung für Athleten in den sozialen Medien zu schaffen.
