Oksana masters schlägt wieder zu – wicker sichert bronze im biathlon-sprint

Cortina d’Ampezzo – 7,5 km, fünf Schießstationen, ein Kracher-Finale: Anja Wicker hat im Sitzen-Sprint der Para-Biathletinnen die erste deutsche Medaille der Spiele geholt. Hinter der unnahbaren US-Amerikanerin Oksana Masters sprintete die 29-jährige Thüringerin auf Rang drei – und stoppte die deutsche Durststrecke nach dem verpassten Podest gestern durch ihre Kollegin Andrea Eskau.

10:37 Uhr Ortszeit, –8 °C, Sonne hoch über den Dolomiten. Wicker startete als Fünfte der letzten Saison, ging mit 15 Sekunden Rückstand in die Loipe. Dann der Knall: null Fehler am Schießstand, während vor ihr die Konkurrenz patzte. Lena Schroder verfehlte zweimal, die Ukrainerinerin Jawtorenko gar dreimal. Wicker raste vorbei, ihre Skiohren flatterten im Windschatten der Hänge. 20,4 km/h Durchschnitt – neue persönliche Bestmarke.

Masters bleibt die unangefochtene königin

Oksana Masters dagegen lief ihre Gegnerinnen erneichert ab. Die 37-jährige Vorzeige-Athletin, die schon im Langlauf zehn Paralympics-Golds sammelte, benötigte trotz eines Nachlades 11:58,4 Minuten – fast 40 Sekunden schneller als Wicker. „Ich kenne ihre Stärke, aber heute habe ich meine eigene Grenze neu gemalt“, sagte Wicker nach dem Rennen. Silber ging an die für China startende Li Huiyao, die mit nur einer Strafminute überraschend die US-Dominanz unterbrach.

Der deutschen Delegation entlockte das Bronze zwar Jubel, doch die Stimmung bleibt gemischt. Bundestrainer Jürgen Barth verwies auf die nächste Chance: „Morgen steht der Verfolgung an, da will Anja Revanche für die verpasste Staffel-Chance von gestern.“ Die Facts: Wicker liegt im Gesamtweltcup nun auf Rang zwei, nur hinter eben jener Masters – ein Duell, das sich wie ein Spiegel der letzten Jahre liest.

Tv-notiz und blick nach vorn

Tv-notiz und blick nach vorn

ARD und ZDF zeigen die Verfolgung live ab 11.30 Uhr – ein seltenes Vorabend-Fenster für die Paralympics. Die Quote vom Sprint lag laut AGF bei 1,83 Millionen – zweitbester Wert seit Sotschi 2014. Der Verband will nachziehen: „Wir brauchen Sichtbarkeit, um Nachwuchs zu gewinnen“, sagte DOSB-Vorstand Michaela Röder. Ein Förderbudget von 4,5 Millionen Euro steht 2026/27 bereit, 30 % mehr als im Vorjahr.

Für Wicker heißt es: Erholung, Wachs checken, Psyche stählen. Die Medaille wiegt 135 Gramm, der Druck auf ihrer Schulter aber ein Vielfaches. „Ich bin noch nicht fertig“, sagte sie mit Blick auf die Staffel am Samstag. Die Botschaft ist klar: Bronze ist der Auftakt, nicht das Finale. Und Oksana Masters? Die feierte mit Energy-Drink und Team-Foto – bereit, den nächsten Gegner wegzublasen. Cortina bleibt elektrisch.