Forster holt gold in 1:25,79 – fünf hundertstel entscheiden alles

Anna-Lena Forster brauchte keine Sekunde zu viel. Fünf Hundertstel – das ist weniger als ein Wimpernschlag – trennten die deutsche Fahnenträgerin am ersten Wettkampftag der Paralympischen Winterspiele in Cortina d'Ampezzo von der Spanierin Audrey Pascual Seco. Die Monoskifahrerin aus Radolfzell gewann die Abfahrt der sitzenden Startklasse in 1:25,79 Minuten und bescherte dem Team D einen Auftakt, wie er im Drehbuch stehen könnte.

Ein hundertstelkrimi auf ramponiertem eis

Die Piste im Tofane Alpine Skiing Centre hatte das Tauwetter bereits sichtbar gezeichnet. Kein idealer Untergrund für ein Rennen, das am Ende durch Nuancen entschieden wird. Forster ließ sich davon nicht beirren. Die Chinesin Sitong Liu folgte mit einem Rückstand von 5,48 Sekunden auf dem dritten Podestplatz – das Mittelfeld war da schon eine andere Welt.

Was das Rennen zusätzlich aufwühlte: Barbara van Bergen, Weltmeisterin und eine der großen Favoritinnen, stürzte als erste Starterin und landete im Fangnetz. Sie konnte langsam in den Zielbereich fahren – ein Schreck, der glimpflich ausging, aber die Nerven aller Beteiligten strapazierte. Und Momoka Muraoka, Siegerin von Peking, verzichtete überhaupt auf den Start. Die Japanerin kehrt nach einem Schlüsselbeinbruch gerade erst ins Renngeschehen zurück – ihr Körper diktierte die Entscheidung.

Fünf gold, zehn medaillen – und der rekord rückt näher

Fünf gold, zehn medaillen – und der rekord rückt näher

Für Forster ist es die erste Goldmedaille in der Abfahrt. In Peking hatte sie in dieser Disziplin Silber geholt. Jetzt steht sie bei fünf Paralympicssiegen und zehn Medaillen insgesamt. Die Zahl, die aber wirklich ins Auge sticht: Ihr fehlen noch zwei Goldmedaillen, um mit Anna Schaffelhuber gleichzuziehen – der früheren Monoski-Dominatorin schlechthin.

Cortina bietet Forster noch reichlich Gelegenheit. Super-G, Super-Kombination, Riesenslalom und der Slalom – ihre erklärte Paradedisziplin – stehen noch auf dem Programm. Die anderen deutschen alpinen Athletinnen und Athleten schonten sich zum Auftakt, was angesichts des Tauwetters und der Pistenqualität keine dumme Entscheidung war.

Das Aushängeschild des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) hat heute geliefert. Fünf Hundertstel, eine Goldmedaille, und das Gefühl, dass diese Spiele für Forster noch lange nicht vorbei sind.