Ogunleye bleibt ohne medaille – 20-meter-traum platzt in torun

Yemisi Ogunleye verlässt die Halle mit einem weinenden Auge. Die 27-jährige Kugelstoß-Weltmeisterin von Paris schafft es bei der WM in Torun nicht über 19,46 Meter – und muss sich mit Rang fünf begnügen. Der Anspruch war klar: 20 Meter oder nichts.

Ein guter start, aber keine antwort

Der erste Stoß sitzt. 19,46 Meter, Jubel im Ring. Es ist ihre beste Weite an diesem Freitagabend. Doch was folgt, ist ein offener Schlagabtausch mit der eigenen Form. Kein weiterer Versuch kommt jemals wieder über 19,37 Meter. Die Konkurrenz zieht davon. Chase Jackson jagt die Kugel auf 20,14 Meter, Sarah Mitton sichert sich Silber, und die Schwedin Axellina Johansson schleudert mit 19,75 Meter nicht nur Landesrekord, sondern auch die letzte deutsche Hoffnung aus dem Podest.

Ogunleye selbst wirkt nach dem Wettkampf gefasst, aber nicht zufrieden. „Ich brauche mich nicht verstecken“, sagt sie im Interview – und meint damit auch: Sie weiß, dass sie mehr kann. Die 20,37 Meter aus Dortmund vor drei Wochen sind kein Zufall. Die 20-Meter-Marke ist kein Wunschdenken mehr, sondern ihr Normalzustand. Nur: An diesem Tag will der Rhythmus nicht greifen.

Silber-serie gerissen – sommer wird zum test

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2024 noch Hallen-WM-Silber, 2025 Hallen-EM-Silber – die Serie ist damit beendet. Für eine Athletin, die sich selbst mit Goldmaßstäben misst, ist der fünfte Platz ein Rückspiegel, kein Ergebnis. Doch Ogunleye nimmt sich selbst in die Pflicht: „Ich bleibe geduldig und positiv.“ Die Sommersaison rückt in den Fokus. Dort will sie zurück auf die 20-Meter-Spur. Die Konkurrenz schläft nicht – und Ogunleye auch nicht.

Ein Trost bleibt: Mit Katharina Maisch als Zehnte hat kein zweiter deutscher Angriff stattgefunden. Die nächste Chance auf WM-Metall kommt im August in Rom. Dort zählt kein Hallentraining, sondern nur der Kreis und die Kugel. Und Ogunleye weiß: Sie hat noch eine Rechnung offen.