Odermatt stolpert um 0,92 sekunden – braathen jagt die kugel, dsv-hoffnung zittert

0,92 Sekunden. So viel trennen Marco Odermatt am Sonntagvormittag in Kranjska Gora von der nächsten kleinen Kristallkugel – und von seinem ersten echten Stolperer dieser Saison. Der Schweizer, sonst Synonym für Präzision, rutschte nach Lauf eins auf Rang fünf, während Lucas Braathen die Anlage mit der Coolness eines Pokerspielers dominiert und die Führung übernimmt.

Die rechnung ist einfach, der druck enorm

Odermatt braucht Sieg oder Braathen-Drama. Mit 103 Punkten Polster vor dem Brasilianer war die Disziplin-Wertung lange seine Privatparty. Jetzt droht ihm der Kater: Verliert er am Mittag, muss Braathen mindestens Vierter werden, damit die Kugel trotzdem an den Rhein wandert. „Ich hatte nicht so die Geduld und den Mut“, gestand der 26-Jährige beim ZDF – ein Satz, der in seinem Mund klingt wie ein Eigentor.

Die deutsche Fraktur wirkt dagegen wie ein Nebenschauplatz, doch das täuscht. Anton Grammel startet als 13. (+1,70) mit realistischer Top-Ten-Chance, Fabian Gratz (17., +2,00) braucht den Run seines Lebens. Jonas Stockinger (+2,29) paddelt als 21. gegen die Ausscheidezone, Alexander Schmid (+3,06) schaut als 31. bereits in die Röhre – und wahrscheinlich auch ins Weltcup-Finale in Lillehammer vorbei. Dort dürfen nur die besten 25 der Riesenslalom-Wertung antreten, eine Härte, die Schmid mit 29 Jahren bitter treffen dürfte.

Der countdown läuft, die piste wartet

Der countdown läuft, die piste wartet

Um 12.30 Uhr geht’s in die Entscheidung. Die Sonne steht hoch über Kranjska Gora, die Eisdecke auf der Pistenseite glitzert wie ein Warnsignal. Für Odermatt ist es die fünfte Kugel, die auf dem Spiel steht – oder die erste, die ihm entrissen werden könnte. Und für die DSV-Jungs die letzte Chance, sich ein Ticket für Norwegen zu erkämpfen, bevor die Saison sie einfrieren lässt.