Odermatt packt aus: 16 kugeln, keine tränen – und ein plan, der alles ändern soll
16 Kristallkugeln im Regal, fünf Gesamtweltcups in Serie – und trotzdem klingt Marco Odermatt, als hätte er gerade nur seine Skistiefel gesäubert. „So emotional sind die Kugeln nicht“, sagt er, und schon versteht man, warum die nächste Saison anders wird.
Die macht ging, das gefühl blieb
Die Saison 2025/26 war ein Feuerwerk: Sieg in Sölden, Rekord in Wengen, Beaver-Cuck endlich abgehakt. Doch hinter den Zahlen schlich sich Ermüdung. In Bormio rissen die Olympischen Spiele zwei Silber und Bronze – für Odermatt eine Niederlage mit Medaille. Dann kam Lucas Pinheiro Braathen, tanzte mit anderem Druck durch die Stangen und raubte ihm die Riesenslalom-Kugel. Plötzlich stand der König ohne Krone da.
Frank Wörndl sieht das klar: „Er war vielleicht zu früh in Topform, dann kam die Streif, und danach war die Luft raus.“ Der Aufwand? Ein Knochenjob. Die Konkurrenz? Jünger, leichter, unbekümmerter. Giovanni Franzoni etwa, der in Kitzbühel die Abfahrt gewann, fuhr mit einer Leichtigkeit, die Odermatt beschäftigt.

Neue pisten, weniger rennen, mehr speed
Kitzbühel bleibt offen. Der Hahnenkamm ist das letzte große Loch im Palmares. Doch Odermatt kündigt an, künftig Startnummern sausen zu lassen, wenn der Körper Nein sagt. Er will Speed-Spezialist bleiben, nicht Slalom-Arbeiter. Die Devise lautet: lieber drei Rennen mit 100 % als sieben mit 70 %. Die Staffelung wird schlanker, das Training härter, die Ziele reduziert.
16 Kugeln, kein einzler Trophäen-Selbstmord. „Die Emotion erlebe ich nach jedem Rennen, nicht nach der Siegerehrung im Frühling“, sagt er. Die Kugeln stehen im Keller, die Erinnerung an Sölden, Wengen und Beaver Creek im Kopf. Ende April darf die Familie ans Meer. Bis dahon bleibt der Schweizermeister auf Skiern, denn der Gegner schläft nie – und Pinheiro Braathen hat bereits angekündigt, nächsten Winter noch schneller zu werden.
