Odermatt: olympia fühlte sich 'komisch' an – und doch ein wichtiger schritt

Marco Odermatt, der unbestrittene Star des alpinen Skisports, hat diese Saison erneut Großes geleistet. Doch hinter den glänzenden Medaillen verbirgt sich eine überraschende Erkenntnis: Die Olympischen Spiele in Peking empfand der Schweizer nicht als den erhofften Höhepunkt seiner Karriere. Eine Offenbarung, die er bei einer Medienkonferenz von Stöckli deutlich machte.

Die motivation war nicht immer da

Die motivation war nicht immer da

Es ist kein Geheimnis, dass Odermatt ein Perfektionist ist, ein Athlet, der stets das Maximale fordert – von sich selbst und vom Schnee. Doch in dieser Saison kämpfte er sichtlich mit wechselnder Motivation, mit Momenten, in denen der gewohnte Hunger fehlte. „Wenn ich vielleicht an Kvitfjell dieses Jahr denke … Es ist das erste Mal in meinem Leben gewesen, dass ich bei der Besichtigung war und gedacht habe: 'Jetzt scheißt es mich eigentlich an',“ gestand Odermatt offen. Der weiche Schnee und die hohen Temperaturen trugen zu diesem Gefühl bei, doch es war mehr als nur das Wetter.

Die Enttäuschung in Kitzbühel, wo ihm der Sieg knapp verwehrt blieb, nagte an ihm. Und auch die Olympischen Spiele, trotz der drei gewonnenen Medaillen, konnten nicht die erhoffte Euphorie entfachen. „Es hat sich bei mir jetzt dieses Jahr nichtnach einem sehr speziellen Anlass angefühlt. Die Schattenseite von Olympia, die spürt man, und die coolen, speziellen Sachen hat man jetzt dieses Jahr nicht so wirklich wahrgenommen.“ Das dichte Programm davor, die Abfahrtsklassiker in Wengen und Kitzbühel, gefolgt vom Riesenslalom in Schladming und Crans Montana, hatten ihm die Möglichkeit einer adäquaten Vorbereitung genommen.

Doch Odermatt blickt nach vorn. „Als ich das Programm im Sommer sah, sei ihm dabei klar gewesen, dass es gar keine gute Vorbereitung auf Olympia geben könne, ausser man macht Abstriche im Weltcup.“ Ein Kompromiss, den er vermeiden wollte. Und trotz der ambivalenten Gefühle gegenüber Peking sieht er in dem Vorprogramm eine wichtige Vorbereitung auf die kommende Saison und die WM 2025.

Die Tatsache, dass er Peking 2022 als „spezieller“ empfand als Milano Cortina 2026, spricht Bände. Die Atmosphäre vor vier Jahren, die Reise mit dem gesamten Team, die ungewohnte Situation während der Corona-Pandemie – all das schuf ein besonderes Gefühl der Zusammengehörigkeit, das diesem Jahr fehlte. Odermatt vermisste die Vorfreude, das Gefühl für den gigantischen Anlass.

Nächstes Jahr, mit einem Slalom in Chamonix vor der WM, wird sich die Situation entspannen. „Den muss ich zum Glück nicht fahren“, schmunzelt Odermatt. Die Konzentration kann sich dann voll und ganz auf das Wesentliche richten – auf den Kampf um die Kristallkugeln und die nächsten sportlichen Triumphe. Denn eines ist klar: Marco Odermatt hat noch lange nicht alles erreicht.